Editorial
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Weitwurf-Weltrekord in Deutschland
 
Am Samstag, dem 4.10.1986 um 12.30 Uhr mittags ist der seit Frühjahr von Christian Jabet ( Frankreich ) mit 123 m gehaltene Weltrekord im Bumerang-Weitwurf um 11 m auf 134 m verbessert worden. Der Täter: Volker Behrens aus Lübeck. Das Werkzeug: der Bumerang "CHALLENGER III", Gewicht 125 gr., Spannweite 40 cm, konstruiert und gebaut von Volker ( Design s. Titelseite ).
 
"Die Bedingungen waren einfach perfekt: sonniges, trockenes Wetter, Windgeschwindigkeit ca. 2-5 m/sek.; es wurde eine Abwurflinie von 40 m Länge abgemessen, von deren Mitte, entsprechend den Regeln, sämtliche Würfe gemacht wurden. Diese Linie muß an einem beliebigen Punkt vom zurückkehrenden Bumerang überquert werden, damit der Wurf gültig ist. Zum Messen hatten wir eigens ein elektronisches Gerät aus Australien besorgt, um größtmögliche Genauigkeit zu erhalten. Es stellte sich jedoch heraus, daß das Gerät sowohl gewöhnungs-, als auch verbesserungsbedürftig ist. Darum blieb als Meßmethode schließlich nur die althergebrachte Art, bei der die Entfernung des Bumerangs mit Hilfe von fest abgemessenen Stäben gemessen wird, die von der Seite angepeilt werden. Als wir nach ca. einer Stunde des Probierens feststellten, daß wir mit dem Meßgerät nicht so leicht wie erwartet klarkamen (wir hatten extra große Bumerangs benutzt, die man leicht verfolgen konnte), machte ich ein paar Probewürfe mit dem "Challenger", den ich im Frühjahr '86 gebaut aber bis dahin noch nicht mit Freunden gemessen hatte. Ich wußte bereits aus früheren Versuchen, daß er relativ weit flog, aber die Erfahrung hatte mich gelehrt, wie leicht man sich bei der Weite verschätzt. Meine Schätzung lag, abzüglich der Wunsch-Variablen bei ca. 110 m. Bei meinem ersten Versuch befand sich Wilhelm Bretfeld bei einer Entfernung von ca. 125m im Feld und gab nach meinem Wurf die Marke laut zu mir und Eckhard Mawick durch, die wir an der Grundlinie standen. Ich dachte, er wollte mich auf den Arm nehmen, denn er hatte schon öfter gefrotzelt, daß es nun langsam mal an der Zeit sei, den Weltrekord zu machen.
 
Ich sollte hier vielleicht sagen, daß mir der Weitwurf immer besonders am Herzen gelegen hatte; ich hatte seit mehr als einem Jahr an dieser Form des Challenger gearbeitet und, um ehrlich zu sein, auch schon nach der Rekordmarke geschielt, die von Jabet bei 115 m lag, was ich für durchaus möglich hielt. Aber nach den 123 m war das Thema Rekorde für mich eigentlich gestorben. Ich hätte erwartet, daß dieser Rekord etliche Jahre stehen würde; man muß bedenken, daß der vorherige, von Peter Ruhf, USA mit 115 m 5 Jahre gestanden hatte! Zurück zu diesem Mittag- nach diesem ersten erfolgreichen Wurf gingen die beiden zu einer Marke, die wir bei genau 130m vermessen hatten (zur Justierung des Meßgerätes). Die folgenden vier Würfe gingen alle an den beiden vorbei, und zwar um geschätzte mindestens vier Meter - für alles, was darüber liegt, will sich keiner verbürgen...einer dieser Würfe überquerte die Grundlinie nicht, der letzte der Serie landete ziemlich genau 2m hinter mir über der Mitte der Grundlinie. Ich glaube, mein Gebrülle (unkontrolliert) muß bis ins nächste Dorf zu hören gewesen sein, ich konnte es einfach nicht fassen. Es war tatsächlich passiert, und ausgerechnet dann, als es am allerwenigsten erwartet worden war. Und ich hatte nicht nur das riesige Glück, der Werfer zu sein, sondern der Bumerang war auch noch von mir ganz allein entwickelt - das zusammen war einfach zuviel des Guten! Man muß sich bei der Wirkung noch verdeutlichen, daß dies der einzige Bumerang-Weltrekord ist, der nicht von Amerikanern gehalten wird.
 
Für eine Anerkennung von Guinness war leider ein Zeuge zu wenig anwesend, aber dieser Aspekt war und ist für mich relativ unbedeutend. Mir war es sogar gleichgültig, ob überhaupt jemand die Würfe offiziell anerkennen würde, denn ich wußte es und meine Freunde ebenso, und das war eigentlich schon genug. Es ist jedoch eine große Bestätigung zu lesen, daß Ben Ruhe, der "Record Keeper" unser Wort akzeptiert und die Weite anerkennt. Ich sprach vor kurzem mit einem hervorragenden US-Werfer über den Rekordanerkennungsmodus, und er sagte zu mir: "Die Regel lautet, du mußt Ben überzeugen...".
-vb-

 
   
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