Editorial
Weitwurf-WR
Erics B'-Tasche
Big Al Hook
Gewuchtete B's
Werfen im Winter
Oregon Hat
Queen of Hearts
Flugweite messen
Buch: Hanns Peter
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Wie weit fliegt mein Bumerang?
 
Bei allem unbefangenen Spaß, den man beim Bumerangwerfen hat, irgendwann möchte man doch wissen: wie weit fliegt er eigentlich, wie weit kann ich werfen? Wenn man die Entfernung schätzt oder - bei vereinzelter Frühlandung des Bumerangs etwa am Umkehrpunkt - abschreitet, kommen fast immer zu hohe Werte heraus. Das erkennt man spätestens dann, wenn man sich einen Stab in der Nähe des erwarteten Umkehrpunktes aufstellt und dessen Entfernung mit einem Bandmaß festlegt. Nun braucht man nur noch einen Freund zu bitten, den Wurf zu beobachten. So kann die Wurfleistung für den betreffenden Tag und den bestimmten Bumerang auf einige Meter genau festgelegt werden; meist ist das Ergebnis ernüchternd, man hatte doch gedacht, es wären mindestens......
 
So ähnlich hat sicherlich Ralph Payne-Gallway gedacht, der im vorigen Jahrhundert in einem Londoner Blatt von seinem 247-Meter-Wurf berichtet, allerdings mit Rückenwind und daher ohne Rückkehr. Das Meßverfahren wurde nicht erläutert. Entfernungsangaben und Umstände, unter denen die Entfernungen erreicht wurden, blieben bis zum 17.6.1972 - an diesem Tag warf Herb Smith 108 Yards - undokumentiert oder hatten geringe Aussagekraft. So sind von dem Australier Frank Donellan zwei distance-Rekorde überliefert: 160 Yards (146 m) ohne catch, 140 Yards ( 128 m) mit catch. Die Entfernung wurde einfach abgeschritten. In der Rekordliste bei L. und M. Hawes folgt auf Frank Donellans "Greatest distance thrown" die Angabe "Greatest distance thrown under windless conditions": 47,5 m durch Lorin Hawes.
 
Doch nun zu der erwähnten ersten genauen Dokumentation. Herb Smith selbst hat darüber berichtet (in seinem Buch "Boomerangs", Littlehampton 1975): Geschätzte Windgeschwindigkeit: 35 km/h. Zwei Zeugen an der Abwurflinie, vier Zeugen gestaffelt im Umkehrbereich. Der eigentliche Meßvorgang: Die Helfer standen hinter der 90 yds-Linie, mit wenigen Fuß Abstand voneinander. Sie hatten Holzpflöcke in der Hand. Wenn der B' hinter ihnen vorbeigeflogen war, steckten sie einen Pflock vor sich in die Erde. Die Entfernung zwischen dem weitesten Pflock und dem Mittelpunkt der Abwurflinie wurde genau gemessen: 108 yds, 1 foot, 4 Inches (etwa 99 m). Die offizielle Angabe des Rekordwurfes mag im ersten Moment verwirren, da man annehmen könnte, es sei auf Inches genau gemessen worden. In Wahrheit kommt diese Ziffer zustande durch einen der Helfer, "eine nicht sehr sportliche Person" (Herb Smith in mündlicher Überlieferung), die sich als hinterste im Feld befand. Beim Versuch, den Rekordwurf im Rückwärtslaufen zu verfolgen stolperte der arme, und die Entfernung von ihm zur Abwurflinie betrug den o.g. Wert. Dies bedeutet, daß diese Entfernung verbürgt, alles darüber liegende möglich aber nicht garantiert ist.
 
Die so exakt wie möglich dokumentierten Weitwurfleistungen steigerten sich stetig im Lauf der nächsten Jahre. Am 20.10.1978 erreichte Herb Smith 105 m. Al Gerhards (USA) warf am 20.10.1979 123 yds (ca. 112 m ) bei Wind von 16 km/h. Zu diesem Rekord wird berichtet, die Entfernung sei zweimal mit einem Stahlmeßband gemessen worden. Aber in diesem Meßvorgang liegt die Ungenauigkeit ja gar nicht! Nach den Regeln der Boomerang Association of Australia hatte Bob Burwell (Austr.) im November 1981 in Altury, Austr. 111 m geworfen. So standen die Dinge, als die Manager des Guinness-Buches der Rekorde 1982 zu einem Weitwurfwettkampf in den Randwick Racocoursa in Sydney einluden, der sich zu einem Duell zwischen Peter Ruhf (USA) und Bob Burwell entwickelte und mit einem Sieg Peter Ruhfs mit 125 yds (ca.114 m ) über Burwell (124 yds=ca. 113 m) endete. Wiederum wird berichtet, daß bei nicht anerkannten Würfen (es wurde meist die Abwurflinie nicht überquert) bis zu 141 yds (ca. 129 m) erreicht worden seien. Die Meßgenauigkeit wurde erhöht durch fünf markierte Achsen, durch eine 10 yds Kennzeichnung der Achsenabschnitte zwischen 100 und 150 yds und durch übermannshohe Peilstäbe, welche die sechs Sportzeugen vor sich hatten.
 
Dennoch stellte Lorin Hawes Anfang 1984 die Möglichkeit, so genau messen zu können, grundsätzlich in Frage. Er meinte, man könne höchstens auf einige Meter genau messen. "Wer kann uns weiterhelfen?" schloß er seinen Beitrag (in der Februar-Ausgabe des "Boomerang Bulletin"). Hatte er geahnt, daß der Australier Robby Sinclair so ein computergestütztes Peilsystem in Arbeit hatte? Ob es uns weiterhelfen wird, muß die Erprobung zeigen. Wir haben die Werk-Nr. 1 des Systems
erworben.
 
Trotz allen Meßschwierigkeiten, die Weitwerfer werfen weiter, im doppelten Sinn: sie setzen ihre Bemühungen um größere Wurfentfernungen fort, und die Leistungen steigern sich. Am 24. April 1986 warf Christian Jabet in der Nähe von Lyon bei Wind von 4 m/sek 121 m weit. Acht Kampfrichter maßen genau nach den Richtlinien: 121,20 m. Und am 4. Oktober 1986 stellte Volker Behrens eine Weltbestleistung von 134 m auf. Nur zwei Zeugen waren im Feld, einer bei 133 m, der zweite zwei Meter dahinter. An der Abwurflinie stand Volker allein. Auf der letzten Seite im Info Nr. 20 des DBC werden neue Perspektiven erkennbar (obwohl dies eine Falschmeldung war! Anm. d. Schriftleiters). Die Frage stellt sich irgendwann: was geschieht eigentlich, wenn überragende Athleten (Speer-, Diskuswerfer, Handballspieler, etc.) lernen, einen Bumerang zu werfen? Beginnt die Rekordliste dann bei 150 Meter?
-wb-

 
   
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