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Buch: Hanns Peter
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Buchbesprechung: Hanns Peter - "Wesen und Bedeutung des Bumerangs", Wien 1986
 
Hanns Peter hat im Auftrag des "Australian Institute of Aboriginal Studies" alle Bumerangs der wichtigsten Sammlungen Australiens (insgesamt um die 7000 Stück) aufgenommen, die festgestellten Daten codiert, gespeichert und ausgewertet. Außerdem führte er Feldforschung in Aboriginal-Reservaten durch, um möglichst umfassende und genaue Informationen einzuholen.
 
Das Ergebnis seiner mehrjährigen Forschungsarbeit ist in dreierlei Weise dokumentiert: erstens in einer neunbändigen Datensammlung des australischen Bestandes, zweitens auf Tonbändern und in Berichten aus der Feldforschung und drittens in der Schrift "Wesen und Bedeutung des Bumerangs". Soll man diese Schrift den Bumerangsportlern zur Lektüre empfehlen? Ja und Nein. Nein für den, der direkte Hinweise auf seinen Sport oder auf die Physik des Rückkehrfluges erwartet. Der Sport wird nur kurz erwähnt (S. 89 - 92, sowie S. 95 - 98), und für die Physik wird auf die Arbeiten von Felix Hess verwiesen. Ja hingegen für jeden Bumerangfreund, der über Wesen und Bedeutung auch aus historisch-ethnologischer Sicht mehr erfahren möchte, als er bisher herausgefunden hat, der wissen will, was es wirklich mit den Bumerangs in Australien auf sich hat(te) (S. 80 - 122), den die über eintausend Titel des Literaturverzeichnisses zu eigenem Studium (natürlich einer von ihm selbst getroffenen Auswahl ) anregen (S. 196 - 233), der die Sammlung von etwa 500 Bumerang-Namen interessant genug findet (S. 235 - 266), der sich Anregungen für originale Dekoration seiner Bumerangs holen will (S. 123-134), den es freut, die Hauptstile der Felszeichnungen und ihre traditionellen Bedeutung kennenzulernen (S. 135-141), der die Mythen und Erzählungen der Aborigines nachlesen will (S. 142 - 175) und der das Gelesene durch Betrachtung des Bildanhanges vertiefen möchte (vgl. z.B. Abb. 19 des Anhanges mit der Fig. 73, S. 86 "Schlafender Bumerang").
 
Mich hat der einleitende Sachteil (S. 17 - 79) besonders gefesselt und mir zur Klärung meines ungeordneten Teilwissens verholfen; deshalb will ich darüber etwas ausführlicher berichten: Der Autor stellt nach "Durchsicht der Literatur" fest, daß der Begriff "Bumerang" nicht exakt definiert ist, und das, obwohl die literarische Bearbeitung des Themas schon 1697 begonnen hat. So muß er seinen Forschungsgegenstand zuerst definieren. Peter leitet seine Definition streng nach Formkriterien ab und formuliert so:" Der Bumerang ist eine flache, zur Querachse ein- oder mehrfach gekrümmte Wurf- oder Schlagwaffe ohne geformten Griff, dessen Schlagteil gar nicht oder nur flächig vergrößert worden ist." (S. 44) Es folgt dann das für mich zentrale Forschungsergebnis. Es lautet: Es gibt 11 Bumerangtypen und (in sehr geringer Anzahl) Zwischenformen. Nach Beschreibung jedes Einzeltypus wird eine genaue Aufstellung der zahlenmäßigen und geographischen Verteilung gegeben. Ich hatte mir nicht vorstellen können, daß es möglich sei, eine für den interessierten Laien unübersehbar erscheinende Vielfalt so klar und überzeugend zu strukturieren; denn es ist sogar die Zuordnung der Einzelstücke zu einem bestimmten Planquadrat möglich. Ich halte noch eine weitere Feststellung des Autors in diesem Zusammenhang für besonders wichtig: Nur etwa 5% aller australischen Bumerangs seien zum Rückkehrflug geeignet(!). Eine erste Folge meines Lernprozesses war übrigens, daß ich nun einen Teil meiner aus Museum/Schrifttum übernommenen Formen den Zwischenformen zuordnen mußte.
 
Das inhaltliche Material des Buches bekommt für mich das Gewicht abgeschlossener Endgültigkeit. Man spürt, daß die Rede ist von etwas Kostbarem, aber auch fast Verlorenem. Hanns Peter wird - auch in dieser Schrift - als achtunggebietender "Eingeweihter" erkennbar, der ein Werk geschaffen hat, dessen wissenschaftliche Leistung und Bedeutung gewiß an anderer Stelle gewürdigt werden wird. Daß er aber in seiner Weise den Leser Anteil haben läßt an dem von ihm Erfahrenen, dafür danke ich ihm.
-wb-

 
   
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