Editorial
Kreisflug des B's
Flugfehler
B'-Museum
Schlangenbumerang
Profil (Nachtrag)
Tau
Tomahawk
Dreiflügler
John Flynn F.C.
 
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FLUGFEHLER, DIE DURCH ABWURFFEHLER VERURSACHT WERDEN
 
Mit Normalflug des Rückkehrbumerangs soll die annähernd kreisförmige Flugbahn bezeichnet werden, auf der das Gerät zum Werfer zurückfliegt. Dabei kann es in grifferreichbarer Nähe an ihm vorbeifliegen oder vor/über ihm herabsinken - damit die Flugbahn beendend. Elliptische Flugbahnen und leichte S-Schläge beim Rückkehrflug sollen in den Normalbereich einbezogen sein. Abweichungen von der so definierten Normalflugbahn sollen in diesem Beitrag Fligfehler genannt werden; das sind also Abweichungen, die den Werfer hindern, den B. zu fangen, oder vor dem Catch einen längeren Sprint erforderlich machen. Weil es mehrere Ursachen für Flugfehler gibt, grenzt die Überschrift bewußt einen Ursachenbereich aus: die Wurffehler; der Beitrag geht nicht ein auf Fehler am Bumerang oder auf Flugfehler durch (verwirbelten) Wind. Die Beschreibung (und Korrektur) von Abwurffehlern geht also davon aus, daß der B. einwandfrei fliegt und daß Windstille oder leichter Wind herrschen.
 
Der für die Flugbahn des Bumerangs entscheidende Abwurf wird von fünf Faktoren beeinflußt:
  1. der Abwurfkraft,
  2. dem Luvwinkel,
  3. dem Neigungswinkel,
  4. dem Aufstiegswinkel,
  5. dem Spin.

Wenn wir also eine fehlerfreie Flugbahn "erwerfen" wollen, müssen wir:
 
1. Die Abwurfkraft richtig bemessen
Zu wenig Abwurfkraft bewirkt eine zu frühe Beendigung des Kreisfluges, zu große Abwurfkraft läßt den Bumerang sehr schnell (zu schnell?) zurückkommen oder bewirkt, daß er den Werfer in zu großer Höhe passiert. Schon die richtige Dosierung der Abwurfkraft kann gute Erfolge für die Rückkehrgenauigkeit bringen. Es ist natürlich leichter, einem kräftigen Werfer zu raten, weniger kräftig zu werfen; schwieriger ist es, die Verstärkung der Abwurfkraft zu provozieren bzw. zu trainieren. Wenn man nicht ein umfangreiches Trainingsprogramm absolvieren will, könnte man doch zunächst mit größeren Steinen den "Abwurf über die Schulter" üben, dabei Schulter in Wurfrichtung, nicht etwa die Körperfront. Dann kann man den Körper beim Wurf kräftig mitdrehen und diesen Schwung auf den Wurfarm übertragen.

Wenn die Muskelkraft zu klein,
dreht das Wurfholz zu früh ein.
Willst zuviel Kraft du vertoben,
kommt er zurück - doch sehr hoch oben.

 
2. Den Luvwinkel bestimmen und einhalten
Wenn der Luvwinkel zu klein ist, landet der B. links bzw. links hinten vom Werfer; ist er zu groß, fliegt der B. vor dem Werfer vorbei und landet rechts bzw. rechts hinten von ihm. (Ausnahme: "Hunch-back-throw", s. "Bumerangwelt Nr. 2/87, S. 9 a). Deshalb sollte man auf dem Wurfplatz den Luvwinkel bei Windstille für jeden Bumerang genau festlegen und bei Wind jeweils variabel vor jedem Wurf einpendeln. Dabei helfen:
 
  1. Zunächst einige Probewürfe
  2. Ein Merkmal im Gelände/am Horizont, das die Wurfrichtung eindeutig festlegt
  3. Daraus folgend: Immer vom gleichen Abwurfplatz aus werfen
  4. Ein leichter Windsack oder ein langer Wollfaden am linken Mittelfinger oder Handgelenk
  5. Linke Schulter in Wurfrichtung
  6. Beim Abwurf: Blickkontrolle zum Richtungspunkt.

Willst du auf Punkt das Wurfholz trimmen,
mußt du die Windrichtung bestimmen.
Dann ist der Luv-Winkel zu finden.
Ist er zu klein, dann such links hinten.
Zu großer Winkel läßts dabei:
Das Wurfholz fliegt an dir vorbei.

 
3. Den Neigungswinkel anpassen

Der Einfluß des Neigungswinkels beim Abwurf steht in engem Zusammenhang mit der Abwurfkraft und dem Aufstiegswinkel. Vereinfacht gilt: Ist der Neigungswinkel zu klein, stürzt der B. früh ab oder er vollendet den Kreis nicht. Ist er zu groß, steigt der B. steil auf, beim Sichelwurf ( = Neigungswinkel O Grad) gar senkrecht. Sein Absturz wird häufig unberechenbar, was für Schüler-Lerngruppen gar nicht mehr lustig ist. Außerdem gibt es häufig Kleinholz.
 
In der Anwendung unterschiedlicher Neigungswinkel zeigen sich jedoch auch unterschiedliche Wurfstile: Kräftige Werfer werfen gern mit O Grad, also ohne Neigungswinkel ab. Ein Fast-Catcher kommt dann sehr schnell zurück, noch nicht flachgelegt, kaum vom Wind beeinflußt. Leichtere Bumerangs fliegen dann mehrere Kreise, dabei oft aufsteigend, ehe sie erlaufen und gefangen werden. Wer nicht so kräftig ist, aber z. B. ein schweres, weitfliegendes Gerät verwendet, neigt seinen B. doch um 5 - 10 Grad nach rechts, um seine vollständige Rückkehr zu erreichen. So konnten Kinder Willi Urbans schweren Comeback durch starke Vergrößerung des Neigungswinkels (auf etwa 30 Grad) den Flugkreis ihres Geräts fast vollständig schließen.
 
Aus dem Gesagten ergeben sich die Korrekturmöglichkeiten bei den Flugfehlern: Wird der Kreis nicht vollendet, Neigungswinkel vorsichtig vergrößern. (Achtung! Kontrolle am Horizont, Sportplatzgitter/Stufen o.ä.). Wenn der B. zu steil aufsteigt, Neigungswinkel verkleinern.
 
Wenn man die Kontrolle des Neigungswinkels üben will, kann man den Abwurf simulieren:
  1. Man führt die Abwurfbewegung bis an den Punkt, an dem der Wurfarm gestreckt ist. Dann stopp und kontrollieren, in welchem Winkel der B. zum Horizontalen steht.
  2. Wie 1., jedoch den Bumerang loslassen (nicht abwerfen), nachdem der Wurfarm gestreckt ist. Dabei kontrollieren, mit welchem Neigungswinkel der B. die Hand verlassen hat.

Ist die Neigung gar zu klein,
Haut er in den Boden rein.
Wird sie jedoch allzu groß,
fliegt er in des Himmels Schoß.

 
4. Den Aufstiegswinkel regulieren
Zwei Wurfregeln irritieren den Anfänger häufig: Daß er den Bumerang beim Abwurf fast senkrecht halten (Neigungswinkel O bis 15 Grad) und daß er die Wurfrichtung etwa parallel zur Ebene des Abwurfplatzes anstreben soll. Die erste Irritation versucht er durch den Sichelwurf zu klären, die zweite durch einen Wurf in den Himmel, also mit einem Aufstiegswinkel von 50 - 70 Grad. Das ist jedoch nur für die MTA-Praxis günstig; normalerweise ist der Aufstiegswinkel O - 5 Grad groß; deshalb ist die Bezeichnung "Aufstiegswinkel" nicht gerade günstig. Wird der Aufstiegswinkel zu groß gewählt, steigt der B. recht steil auf und stürzt dann ab. Abhilfe: Aufstiegswinkel verkleinern. Ist der Aufstiegswinkel zu klein oder gar negativ, dann steigt der B. nach Geradeausflug steil auf und kehrt, meist in S-Schleife, bis weit hinter den Werfer zurück. Hier muß dann der Aufstiegswinkel ein wenig vergrößert werden. Auch dadurch, daß man den B. mit bewußt voll gestreckten Wurfarm - wiederum mit nur kleinem Aufstiegswinkel - abwirft, erreicht man einen harmonischeren Wurf.
 
Bringst du ihn auf die Rückkehrbahn,
setze nicht zu steil ihn an,
nur ein wenig er steigen darf,
dann kommt er zurück zu dem, der warf.

 
5. Mit hohem Spin werfen
Zu wenig Spin läßt häufig den Bumerang-Flug erst gar nicht entstehen. Die Folgen dieses Abwurffehlers kann der Werfer leicht erkennen. Er muß sich dann daran erinnern, daß der B. ein rotierender Flugkörper ist. Abhilfe: Bei Abwurf im pinch grip im allerletzten Augenblick vor dem Loslassen Daumen und Zeigefinger fest zusammendrücken! Sonst, auch bei Bumerangs mit Fingerbucht: im Augenblick des Herausgehens aus der Hand noch einen kurz-kräftigen nach unten-nach oben Schlag ausführen. (Das ist die Bewegung, die manchmal als peitschenschlagartige Bewegung bezeichnet wird).
 
Rascher Spin, das ist ein Muß, sonst macht er vor der Landung Schluß.

 
Eine kleine Tabelle soll das Gesagte zusammenfassen:
 
Flugfehler durch Abwurffehler:

 

 
FlugfehlerMögliche Abwurffehler
1. Kreis zu früh beendet bzw. Bumerang landet links vom WerferFünf mögliche Abwurffehler:
1. Zu geringe Abwurfkraft
2. Luvwinkel zu klein
3. Neigungswinkel zu klein
4. Aufstiegswinkel zu klein
5. Zu geringer Spin
2. Bumerang fliegt zu hoch an der Position des Werfers vorbeiDrei mögliche Abwurffehler:
1. Abwurfkraft zu groß
2. Neigungswinkel zu groß
3. Aufstiegswinkel zu groß
3. Bumerang landet rechts vom WerferLuvwinkel zu groß

 
Abschließend: Wenn man sich um die Beseitigung seiner Abwurffehler bemüht, ist man meist sehr konzentriert mit sich und seinem Bumerang beschäftigt. Eigentlich arbeitet man oder trainiert ernsthaft; denn immerhin sind Hunderte unterschiedliche Fehlerkombinationen möglich. Günstig ist es, gelegentlich einen Helfer zu bitten, durch gegenseitige Beobachtung, aber auch durch Nachahmen usw. kann man viel lernen. Ich habe jedenfalls bis in die letzten Tage von anderen etwas gelernt, und dafür bin ich dankbar.
 
Fast immer wirft er ganz allein,
sein Wurfholz nur darf bei ihm sein.
Doch kommt gelegentlich ein Zweiter,
in Wurf und Technik führt es weiter.

 

 
   
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