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Unsymmetrische Bumerangs -Gerhard Bertling -
Der Entwurf unsymmetrischer B's ist sicher eine der reizvollsten Aufgaben für jeden B.-Bauer. Doch auch der erfahrene Praktiker kann hierbei immer noch Überraschungen erleben. Nach der Lektüre des folgenden Artikels sollten absolute Mißerfolge jedoch nicht mehr vorkommen.
Nach Meinung von Rusty Harding fliegen B's schlecht, bei denen die beiden Flügelspitzen unterschiedlich weit vom Schwerpunkt entfernt sind. Der Unterschied sollte nach seiner Ansicht (so stand es jedenfalls in einem DBC-Info) höchstens 3mm betragen. Nun besitze ich (und sicher auch andere) Modelle, bei denen der Unterschied bis zu 4cm beträgt, und die trotzdem einwandfrei fliegen. Dies war der Anlaß für eine nähere Untersuchung.
Definition:
R = Radius = Abstand vom Schwerpunkt zum Flügelende (nicht bis zur Flügelspitze, sondern einem Punkt wie in Bild 1 dargestellt).
H = Abstand vom Schwerpunkt zur Armmittellinie (m).
L = Wirksame Armlänge.
Bei stark gekrümmten Formen müssen die Armmittellinien begradigt werden (Bild 2). Damit ist die Form auf zwei rechtwinklige Dreiecke zurückgeführt.
 

 
Behauptung oder: Gerhards Gesetz gegen Rustys Rule
Das Produkt aus H und L muß für beide Arme gleich sein!
Hl * Ll = H2 * L2
Ist diese Bedingung erfüllt, so fliegt der Bumerang harmonisch, d. h. wie ein symmetrisches Modell. Da in der Praxis R leichter zu messen ist als L, kann man die Gleichung umformen zu
H*L = SQR(R² - H²) * H
Zur einfacheren Handhabung habe ich die Formel in ein Nomogramm umgesetzt, mit dem man den H*L-Wert bestimmen kann. Um es anzuwenden mißt man R und H eines Armes, geht auf der R-Achse bis zum gemessenen R-Wert nach rechts und dann bis zum gemessenen H-Wert nach oben. Dann notiert man den H-L-Wert der Kurve, die dem ermittelten Punkt am nächsten liegt. Genauso verfährt man mit dem anderen Arm.
Sind die ermittelten Werte für beide Arme etwa gleich, so wird der B. harmonisch fliegen. (Voraussetzung: Gleiches Profil, gleicher Anstellwinkel und kein oder wenig "dihedral" bei beiden Armen.) Ist der Wert für Arm 1 höher, so wird sich der B. (zu) früh flach legen. Ist umgekehrt der Wert von Arm 2 höher, so wird sich der B. spät oder gar nicht flach legen. Das Nomogramm ist auf der nächsten Seite abgebildet. Kommen wir zu Praxis!
 
Bestimmung des Schwerpunktes
Es gibt sicher viele Methoden hierfür; zwei davon sollen erklärt werden.
A) Man nimmt ein Stück Bindfaden und beschwert es an einer Seite. Dann markiert man an jedem Flügelende einen Punkt. Nun greift man den 8. mit spitzen Fingern zusammen mit dem Faden bei der Markierung und läßt beides locker herunter hängen. Nach einigem Schaukeln kreuzt der Faden den anderen Arm an einer bestimmten Stelle. Diese wird markiert. Genauso verfährt man mit dem anderen Arm. Nun zeichnet man den B. mit den Markierungen auf ein Blatt Papier und verbindet die Markierungen am Armende mit denen am jeweils gegenüberliegenden Arm. Der Kreuzungspunkt beider Verbindungen gibt den Schwerpunkt an.
B) Man nimmt eine ebene Platte aus Sperrholz, Hartfaser, Styropor o. ä., ca 50x50cm. Genau in der Mitte klebt man von unten ein Holzklötzchen mit einer trichterförmigen Vertiefung (anbohren) fest. Von oben wird der Mittelpunkt markiert. Dann schlägt man einen langen Nagel durch ein Reststück Sperrholz und stellt das Gebilde mit der Spitze nach oben auf den Tisch. Die Platte wird nun mit der Vertiefung des Klötzchens auf die Nagelspitze gesetzt. Dann muß das Ganze noch ausbalanciert werden. (Am besten mit kleinen Holzresten, die von unten an die Platte geklebt werden, bis diese waagerecht steht.)
Nach dieser langen Vorbereitung hat man einen sehr einfach zu bedienenden Bumerang-Balancer. B' einfach auflegen und solange hin- und herschieben bis die Platte waagerecht steht. Der markierte Mittelpunkt gibt nun den Schwerpunkt an. (Anregung von Günther Wandtke, DBC-Info #14). Kennt jemand eine bessere Methode?

Korrektur schlecht fliegender Bumerangs
  • Umriß auf Papier Übertragen und Armmittellinien einzeichnen.
  • Schwerpunkt ermitteln und einzeichnen.
  • R und H für beide Arme ermitteln.
  • HL-Werte aus Nomogramm ermitteln.
  • Mittel zwischen beiden Werten bilden (A+B)/2 (z.B. Arml: 120, Arm2: 80, Mittelwert:100. Der richtige Schwerpunkt ist also bei HL=100 zu finden.)
  • Bei dem Arm mit größerem HL-Wert : R beibehalten und neuen H-Wert aus Nomogramm entnehmen.(Soll das Gewicht mehr am Flügelende sitzen: H beibehalten und R ändern.)
  • Korrigierten Schwerpunkt einzeichnen.
  • R und H des anderen Armes messen.
  • Zugehörigen HL-Wert aus Nomogramm entnehmen: Er sollte jetzt etwa dem Wert des ersten Armes entsprechen.
  • B. mit neuem Schwerpunkt auf den Mittelpunkt des Balancers legen.
  • Mit Gewichten (z. B. Münzen, siehe Tabelle 2) den B' ausbalancieren. Dieser Korrekturvorgang geht natürlich nur mit dem Balancer nach Methode B!
  • Gewichte anbringen (Bleigewichte, siehe Tabelle 1).
Nun sollte er besser fliegen. Die Feinkorrektur kann dann wie gewohnt durch Biegen oder durch "bevels" an Arml oder 2 durchgeführt werden. Das hört sich sicher sehr kompliziert an, ist aber kinderleicht wenn man es ein paarmal gemacht hat. Ich habe jedenfalls alle meine Problem-B's auf diese Weise zum Fliegen gebracht. Natürlich lassen sich nur Fehler korrigieren, die durch eine falsche Schwerpunktlage bedingt sind.

Entwurf unsymmetrischer Bumerangs
Man kann diese Prozedur auch mit einer Pappschablone durchexerzieren, wobei jedoch zu beachten ist, daß der Schwerpunkt des fertigen B's etwa l cm höher und etwas weiter rechts als der Schwerpunkt der Pappschablone liegt (durch die unterschiedlich starke Materialabnahme bei der Profilierung). Das Ausbalancieren kann dann durch Beschneiden der Schablone erfolgen.

Abweichungen sind möglich
Allgemein wird das Flachlegen durch die Wirbel verursacht, welche Arm 1 hinterläßt und so den Auftrieb von Arm 2 vermindert. Darum haben B's mit großem Ellenbogenwinkel, Hooks mit weiter Rundung (=großer Armabstand) sowie B's mit sehr strömungsgünstigem Profil (=wenig Verwirbelung) die Tendenz, sich spät flachzulegen. Hier sollte der HL-Wert von Arm 1 gleich oder größer als der von Arm 2 sein.
B's mit kleinem Armabstand und solche mit auftriebsstarkem oder kantigem Profil legen sich dagegen schon früher flach. (Auch besondere Formen können das bewirken: So legt sich der Seagull aus Wilhelm Bretfelds Buch sehr früh flach, da der Schwanz zusätzlich Arm 2 beeinflußt.)
Hier sollte der HL-Wert von Arm 2 größer als der von Arm 1 sein. Dies gilt besonders für Fast-Catch-B's, die ja sehr tief fliegen sollen und sich daher nicht vollständig flachlegen dürfen. MTA-B's weisen extreme Differenzen der HL-Werte auf, die jedoch durch die starke Verbiegung (dihedral) ausgeglichen werden.

Rückmeldungen erwünscht
Ich würde gerne erfahren, ob meine Theorie stimmt oder nicht. Für jede Zuschrift (ob positiv oder negativ) bin ich dankbar. Kontaktadresse:
Gerhard Bertling, Putbusser Str.32 1000 Berlin 65

Tabellen
Durchm./mmDicke/mmGewicht/gMünzeGewicht/g
540,9----------------
641,31 Pfg2
741,72 Pfg3
842,35 Pfg3
942,910 Pfg4
1043,6
551,1Tab. 2
651,6Gewicht einiger
752,2Münzen
852,9
953,6
1054,5
561,3
661,9
762,6
863,4
964,3
1065,3
Tab. 1
Bleigewichte in Abhängigkeit von Bohrloch-0 u. Materialdicke.


 
   
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