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WETTKAMPFBUMERANG I
 
- Volker Behrens -
 
Ich habe mich in den vergangenen zwei Jahren vor allem unter dem Aspekt des Wettkampfsports dem Bumerangwerfen zugewandt. Was mir dabei aufgefallen ist und welche Fehler ich gemacht habe, echte ich in diesem Beitrag weitergeben.
 
Wie unterscheidet sich ein Wettkampfbumerang von anderen Bumerangs?
 
Erstens ist er eine Spezialanfertigung in dem Sinne, als er genau auf einen bestimmten Zweck zugeschnitten ist (z. B. schnell fliegend für Fast-Catch) weit fliegend und genau zurückkehrend für die Australische Runde usw. Zweitens ist er auf einen Werfer und dessen Wurfstil zugeschnitten. Erst dann ermöglicht er eine Chance zum Erfolg. Für einen kräftigen Werfer ist es sinnlos, sich mit 4 mm-Bumerangs zu beschäftigen; denn unter der nervlichen Anspannung im Turnier neigt fast jeder dazu, zuviel Kraft in den Wurf zu legen, mit dem Ergebnis, daß der Bumerang an ihm vorbeisegelt, und er laufen muß - wir kennen das Bild. Zu diesem Fall müssen wir lernen, daß die schulmäßig gebauten Bumerangs mit tadelloser Oberfläche, sauber gerundeten Enden und dünner Hinterkante vielleicht nicht die Lösung sind; denn so schön sie fliegen mögen und so lange die Schwebephase dauern mag: Wer braucht so etwas bei Wind (der erfahrungsgemäß bei jedem Turnier bläst)?
 
Die Verwirklichung eines solchen Spezialbumerangs ist oft ein langer Weg: Zuerst muß man eine Form finden, die im groben den Anforderungen entspricht. Dann muß der Bumerang für unterschiedliche Windstärken geeignet sein - denn je mehr verschiedene Bumerangs ich zum Wettkampf mitnehme, um sicherzugehen, auch den richtigen dabeizuhaben, desto größer ist die Anzahl der Techniken, auf die ich mich beim Wechseln des Bumerangs umstellen muß - ein Streßfaktor, der ausgeschaltet werden kann.
 
Und wie komme ich zu so einem Ideal-Gerät? Ich weiß es nicht, denn dann hätte ich nur noch Klasse-Rangs in meiner Tasche. Aber der Weg dahin kann etwas erleichtert werden, wenn man sich ein paar Dinge vor Augen führt (die keine Allgemeingültigkeit beanspruchen, wohl aber aus meinen Erfahrungen gewonnen sind):
 
- Wenn ein Bumerang nicht schon am Anfang annähernd so fliegt, wie ich erwartet habe, dann lege ich ihn weg, anstatt lange damit herumzuspielen.
 
- Ein guter Wettkampfbumerang soll keine Schönheitskonkurrenz gewinnen und auch nicht zum Verkauf angeboten werden; deshalb ist es gleichgültig, wie er aussieht, solange er nur dem Zweck entspricht; d. h. man kann Löcher hineinbohren, Gewichte an die Unterseite kleben (anstatt sie sauber zu versenken), man kann die Oberfläche anrauhen u.s.w.
 
- Ein guter Weg zu einem guten Bumerang beginnt z. B. mit der Übernahme einer bewährten Form, von der man also genau weiß, daß sie gut funktioniert, tolerant ist u.a.; von dieser Form erstellt man Variationen im Profil, im Finish, in der Gewichtung, in Biegung und Verwindung.
 
- Der beste Bumerang nützt mir nichts, wenn ich nicht hunderte von Malen mit ihm geworfen habe, unter allen Bedingungen, um ihn genau kennenzulernen, seinen Wendepunkt abschätzen zu können und, vor allem, ihn in meinem Muskelgedächtnis zu speichern, damit ich im Turnier nicht auch noch überlegen muß, ob er nun mit 10 oder 20 Grad Neigung geworfen werden muß.
 
Also: Je leichter meine Tasche, desto besser die Erfolgsaussichten.
 
Zum Schluß noch einige Vorschläge, wie man an einem ansonsten guten Bumerang den einen oder anderen Fehler beseitigen kann. Sie betreffen vor allem das Werfen bei Wind; denn von einer bestimmten Windstärke an kann man auch nicht mehr von konstanter Wurfkraft sprechen. Abgesehen von schon behandelten Techniken (s. "B.-W." Nr. II/87, S. 9 f.) gibt es folgende Möglichkeiten, um unsere Geräte etwas windfester zu machen:
 
- Asymmetrische Formen (= unterschiedliche Länge und Breite der Arme)
 
- Rauhe Oberflächen (die übrigens auch zu besserer Griffigkeit bei Nässe fuhren)
 
- Stumpfe Hinterkanten (geben gleichzeitig größere Sicherheit)
 
- Asymmetrische Gewichtsverteilung - für zusätzliche Entfernung und reduzierte Rotation
 
- Stumpfe Vorderkanten bzw. Bevels, deren unterschiedliche Wirkung von ihrer Ausformung nach Höhe und Tiefe abhängen
 
- Löcher von 3 - 5 mm Durchmesser, ebenfalls als Rotationsbremse; sie können im Ellenbogenbereich beginnen und bis zur halben Flügellänge reichen. Je nach Zielsetzung kann ihre Anzahl zwischen drei und fünfzehn betragen.
 
Alle diese Tips haben mehr oder weniger eine Verlangsamung der Geschwindigkeit zur Folge. Das genau ist aber in der Australischen Runde, beim Sicheren Fangen und beim Fast-Catch gefragt. Ich will einen Bumerang, der mir in den Schoß fällt, wenn er seine Runde gedreht hat, anstatt daß er drei Meter über mir oder neben mir vorbeisaust - jeder Meter zählt, folks!
 
Wie man einen Bumerang dazu bringt, schneller, weiter, flacher, langsamer zu fliegen, lest ihr in den nachfolgenden Abschnitten. (Abschn. II u. III folgen. -red-)

 
   
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