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Editorial
Wettkampf-B's II
Reine Formsache
Koehler Dreiflügler
Bertling Fast Catch
Lestungsabzeichen
Tuning
Bauplan: Wishbone
B's mit Rudern
 
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WETTKAMPFBUMERANGS II
- Volker Behrens -
 
In diesem Teil möchte ich die Reihe mit Tips zur Verbesserung ergänzen und an Beispielen erläutern, in welchen Schritten man sich dem Ziel nähern kann: dem perfekten Bumerang, der weder rechts, noch links von mir landet und der sich sicher fangen0läßt.
Wie man B's windfester machen kann, ist in Teil I des Berichtes gezeigt worden. Man muß sich dabei im Prinzip nur die Frage stellen: Warum fliegt er an mir vorbei, oder zu hoch, oder warum wird er in der Schwebephase weggeblasen?
Antwort: Weil er "zu gut" ist, d.h. zu viel Auftrieb erzeugt, zu viel Drehgeschwindigkeit hat, und weil er zu leicht ist .
Rotation zu bremsen dürfte wohl das einfachste sein, was an Veränderungen vorzunehmen ist, wobei man hier jedoch behutsam vorgehen sollte, um nicht bei einem B' zu enden, der nur noch mit voller Kraft geworfen werden kann.
Die wirksamste Bremse ist für mich immer noch ein großer Bevel an Arm 2, der sich bei vielen meiner Modelle parallel an der ganzen Vorderkante bis zum Ellbogen entlangziehen kann. Für den Anfang sollte man nicht höher als 2 mm = 4 Schichten gehen und ca. 1 cm in den Flügel hinein. Macht man dies an beiden Armen, erhöht sich die Wirkung natürlich. Man wird feststellen, daß der B' gleichzeitig insgesamt niedriger fliegt als vorher. Möchte man nun mehr Reichweite (welche durch den Bevel reduziert wird), müssen Gewichte her.
Entweder man bringt diese symmetrisch an den Flügelenden an (ca. 1,5 cm vor dem Ende), oder man nimmt nur eines am Arm 1. Der Vorteil der ersten Lösung ist, daß bei zu starkem Wurf der B' dazu tendiert, nachdem er über den Kopf hinweg geflogen ist, noch einmal umzudrehen und sanft einzuschweben. Vorteil der zweiten Lösung ist ein wesentlich niedrigerer Flug mehr Windstabilität und weniger Rotation.
Nachteil: er verliert kaum an Geschwindigkeit, sondern verhält sich wie ein Fast-Catch-B' und wird entsprechend schwerer zu fangen. Dagegen birgt er den Vorteil, daß er (mit etwas mehr Neigung abgeworfen als der symmetrische) mit großer Wahrscheinlichkeit in der Höhe auf mich zukommt, in der ich ihn abwerfe, das heißt sehr berechenbar wird.
Nachteil: wenn ich zu hoch werfe, wird er erbarmungslos über mich hinwegsausen, ohne umzukehren, und alle Genauigkeitspunkte für die Australische Runde sind verloren .
Spätestens hier sollte klar sein, daß man sich fast jeden Vorteil teuer mit einem neuen Nachteil erkauft, wenn man die Sache mit dieser Genauigkeit betreibt. Aber hier wird ebenso deutlich, daß sich z.B. bei der Gewichtung zeigt, ob das Resultat für den Werfer geeignet ist oder nicht. Werfer, die tendenziell zu stark neigen, werden angenehm von der einseitigen Ballastung überrascht sein, während Vertikalwerfer wohl eher dem ersten Beispiel folgen werden .
Probiert mit den Gewichten herum, bis alles stimmt, bis nicht zu viel Entfernung verschenkt wird, dennoch 20 m erreicht werden, nehmt kleinere und größere Gewichte, klebt sie mit Tesaband an die Unterseite, damit Ihr sie verschieben könnt und denkt daran: dies ist kein Schönheitswettbewerb! Die oben erwähnten Schritte können alle nacheinander am Bauplan der "Wishbone - Variation" ausprobiert werden, eine Variante des "Wishbone" von Eric Darnell, USA. Mit Löchern sollte man bei dieser speziellen Form vorsichtig sein und sie nur anbringen, wenn es sich nicht vermeiden läßt und, vor allem bedenken, daß ein gelöcherter B' ohne Wind fast nicht mehr brauchbar ist. Jedoch kann man für Entfernungen zwischen 30 und 50 m gewichten, so daß viel Spielraum für die Australische Runde besteht.
 
Als zweites Beispiel möchte ich die wesentlichen Schritte skizzieren, die zu einem brauchbaren Fast-Catch-B' führen. Auch hier muß man sich darüber im klaren sein, was man will: einen superschnellen, der kaum zu fangen ist und noch dazu windanfällig ist, oder einen sicheren, der bei passabler Zeit tolerant und fangbar ist und auch etwas Wind verträgt.
Zuerst geht es darum: wie mache ich ihn überhaupt schnell? Ich empfehle, 5 mm - 6 mm Holz zu benutzen, weil man bei 4 mm kaum noch Material wegnehmen kann, ohne den B' bruchanfällig zu machen.
Die Hinterkante wird normal bearbeitet, d.h. mindestens 1 mm stehenlassen, um das Verletzungsrisiko gering zu halten. Danach beginnt man, die Unterseiten beider Arme auszuhöhlen, vom Ellbogen bis fast zur Flügelspitze, und zwar ca. 1,5 - 2 mm tief auf einer Breite von ca. 1-2 cm. Durch diese Wölbung wird erreicht, daß man die Profilhöhe verringert und damit der Luftwiderstand herabgesetzt wird, wodurch unser Modell schon mal um einiges schneller dreht. Außerdem wird auch das Gewicht reduziert, was bei unserem schweren 5 mm-Holz ein wichtiger Punkt ist.
Die Vorderkante wird zuerst von oben her bearbeitet, und hier gilt: je sicherer, d.h. fangsicherer der B' werden soll, desto mehr Holz sollte man stehenlassen; denn ein großer Nasenwinkel vergrößert den Luftwiderstand und verringert damit die Drehgeschwindigkeit. An der Unterseite der Vorderkanten je einen ca. 1-1,5 mm hohen Bevel anbringen, der am Flügelende breiter auslaufen sollte, auf ca. 1 cm. Soweit die grobe Vorarbeit.
Nach den ersten Versuchen wird sich zeigen, daß der B' entweder sehr hoch, nicht weit genug, zu langsam, zu weit oder zu schnell fliegt, kurzum: alles andere als ein Fastie. Ich werde versuchen, die wichtigsten Korrekturmöglichkeiten zu geben, wobei man sich auch hier wieder klarmachen muß, daß ein veränderter Faktor auch alle anderen Eigenschaften beeinflußt.
Fliegt der B' nicht weit genug (20 Meter mindestens, möglichst nicht weiter als 22 m, wegen Zeitverlust), bringe ich zuerst ein Gewicht am Arm 1 an, und zwar ca. 3 cm unterhalb des Ellbogens. Dadurch wird gleichzeitig erreicht, daß der B' niedriger fliegt und sich weniger f lach legt.
Fliegt er nun zu flach, d.h. stürzt er links von mir ab, bringe ich ein kleineres Gewicht an Arm 2 an, und zwar etwa auf halber Strecke zwischen Ellbogen und Flügelende.
Dadurch gewinnt er wieder an Höhe.
 
Fliegt er zu weit oder zu schnell, beginne ich, an Arm 2 den Bevel zu vergrößern, und zwar hauptsächlich am Flügelende und eher in die Breite als in die Höhe. Dadurch erzeuge ich mehr Luftwiderstand und Auftrieb und bewirke gleichzeitig auch eine etwas flachere Flugbahn.
Fliegt er zu weit, kann ich entweder das Gewicht an Arm 1 weiter in Richtung Ellbogen verschieben oder die Aushöhlung etwas vertiefen, was gleichzeitig mehr Rotation erzeugt .
Fliegt er gerade seine 20 m und dreht zu schnell, kann ich Löcher bohren, um ihn zu bremsen, und zwar zuerst in der Ellbogengegend. Je weiter man in Richtung Flügelende geht, desto mehr Bremsung erzielt man (diese durchlöcherten Fast-Catcher sind bei Wind meist das einzig Brauchbare). Dieselbe Wirkung erzielt man, indem man Arm 2 erhitzt und etwas positiv anstellt, d.h. die Vorderkante nach oben und die Hinterkante nach unten dreht. Dies sollte ebenfalls in kleinen Schritten vorgenommen werden! Fliegt er immer über meinen Kopf hinweg an mir vorbei, gilt dasselbe. Hier erinnere ich noch einmal daran, daß wir einen B' bauen wollen, der unserer NATÜRLICHEN WURFKRAFT einigermaßen angepaßt ist, denn gerade bei den Zeitwettbewerben ist die Reduzierung der Wurfkraft unter Streß so gut wie unmöglich. Ich persönlich baue meine Fast-Catcher so, daß ich sie mit voller Kraft werfen kann, und zahle den Preis in Form von Blutblasen und zerrissenen Fingernägeln.
Zum Abschluß: die meisten Wettkämpfer sind dazu übergegangen, beim Fast-Catch zumindest an der linken Hand einen Handschuh zu tragen, weil man mit ihm hauptsächlich die Wucht des B' abfängt. Hierfür haben sich Radfahr-Handschuhe besonders bewährt, da sie gepolsterte Handflächen und offene Finger bieten. Man kann auch links einen Vollhandschuh tragen und rechts einen Radhandschuh, wenn man damit noch genug Wurfgefühl hat.

 
   
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