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Bumerangs nach Maß
 
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Berlin, den 7.5.1988


Hallo, Bumerangwerfer!
Auch in der DDR schwirren die Krummhölzer durch die Luft. Wir sind zwar eine noch recht kleine Gruppe von Werfern (ca.30 Mann), haben aber begonnen, unsere Aktionen zu koordinieren und uns in einer Art Bumerangclub zu organisieren. Bei uns ist dieser Weg etwas schwieriger.
 
Wie fing es an? Seit 1980 probierten einige Leute, Bumerangs zu bauen. Leider fehlte jede Art von Literatur und helfenden Hinweisen. So werkelte jeder für sich und versuchte über Bibliotheken an entsprechendes Material heranzukommen. Bei mir war es genauso.
 
Stellvertretend für die anderen Werfer bei uns meine weitere Entwicklung: durch viel Glück bekam ich Günther Veits Buch in die Hand. Neben vielen Bauanleitungen waren auch einige Kontaktadressen angegeben. So entstand mit Br. Brian Thomas ein reger Briefverkehr, der 1985 mit einem Besuch in Berlin seine Krönung fand. Das war der entscheidende Anstoß für den aktiven Weiterbau und den Versuch der Zusammenführung der Bumerangwerfer. Durch ihn und Jens Behrmann erhielt ich auch die Grundlagenliteratur. Jetzt hatte ich die Möglichkeit nachzulesen, welche Fehler ich beim Bauen bzw. beim Abwurf gemacht hatte und wie ich sie abstellen konnte. So begann die herrliche Zeit des Probierens. Erst versuchte ich, einige Bumerangs zu kopieren und dann begann ich mit eigenen Konstruktionen.
 
Bei jedem neuen Bumerang die große Spannung: wird er so fliegen wie erhofft?! Und dann das Verändern durch Biegen der Flügelenden oder durch Abschleifen der Stirn- bzw. Schrägkanten ... bis der erwartete Kreisflug mit genauer Rückkehr gelang.
 
Dabei merkte ich, daß das Werfen allein zwar ganz produktiv sein kann, aber gerade Bumerangwerfen viel mehr Freude bereitet, wenn man mit anderen Werfern zusammen ist. Man kann sich gegenseitig sehr gut helfen und bisher nicht gemerkte Fehler beim Abwurf korrigieren. Also ging ich auf die Suche nach weiteren Werfern.
 
Innerhalb eines Jahres hatte ich dann zu ca. 30 Werfern aus der DDR Kontakt, wobei die Zahl der "mal so werfenden" um ein vielfaches höher ist. 1986 war es dann soweit: wir konnten unsere ersten Meisterschaften organisieren. Mit internationalen Weiten und Zeiten konnten wir uns noch nicht messen, aber wir hatten den Anfang für regelmäßige Zusammentreffen geschafft. Wir treffen uns 4-5 mal im Jahr zu gemeinsamen Wurfveranstaltungen.
Seit 1988 betreue ich auch eine Schülergruppe, und so haben wir längerfristig gesehen mit dem Nachwuchs keine Probleme. Und gerade für ll bis 12 jährige Schüler ist die Wettkampfatmosphäre besonders faszinierend.
Wir haben uns auf 3 Standarddisziplinen geeignet, die bei jedem Treffen durchgeführt werden: Australische Runde, Fast Catch und Präzisionswerfen. Zusätzlich gibt es eine weitere Disziplin, die je nach den örtlichen Gege-
benheiten durchgeführt wird MTA, Weitwurf, Zeitwerfen ...
 
Beim letzten Wettkampf des Jahres wird außerdem der "schönste Bumerang" gekürt, eine Mischung aus Flugverhalten und Design.
Mit den Ergebnissen bei den einzelnen Disziplinen sind wir noch etwas zurück. Einige Beispiele: Fast Catch ca. 30 sec., Weitwurf zwischen 60 und 70 m, Präzisionswerfen ungefähr 40 Punkte, Australische Runde ca. 60 Pkt. , MTA etwas über 1 Minute . Für diese noch nicht so hochklassigen Ergebnisse gibt es verschiedene Ursachen:
1) Bisher hat jeder Werfer für alle Disziplinen gleichviel Zeit investiert. Die Spezialisierung kannte noch nicht so erfolgen, da wir noch ein zu kleiner Kreis von Werfern sind .
2) Arge Schwierigkeiten beim
Beschaffen von Werkstoffen (Sperrholz) und Literatur.
3) Neben dem Bau von Bumerangs investieren wir viel Freizeit für die Popularisierung des Bumerangwerfens. Dazu gehören eine Vielzahl von Schauwurfveranstaltungen, Fernsehaufnahmen, Trödelmärkte und Vorträge in Schulen. Da diese Aktivitäten durch immer den gleichen Teil von Werfern erfolgt, bleibt für das "Probieren" doch nicht die notwendige Zeit übrig.
Ich hoffe, daß wir in der nächsten Zeit mit einigen guten Ergebnissen aufhorchen lassen können und würde mich im Interesse aller DDR-Werfer über neue Kontakte, sowohl brieflich als auch persönlich, freuen.
Ihr
Matthias Kutschera
Charlottenstr. 8
1110 Berlin DDR

 
P.S. Meinen herzlichen Dank besonders Wilhelm Bretfeld für
seine bisherige und hoffentlich weiterhin erfolgte Unterstützung.

 
   
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