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Wer ist der Vater?
 
Unser Leser Roger Aepli hat uns darauf hingewiesen, daß Torsten Fredrich nicht der Vater des von uns veröffentlichten "Hobbit" sein kann, weil der Australier Rod Jones' Vaterschaft unzweifelhaft ist, wie uns Roger mit einer beigelegten Fotokopie zeigen konnte.
Wir danken für diesen kritischen Hinweis. Aus ihm ergeben sich wichtige Fragen für die zukünftige Arbeit der Bumerang Welt:
1. Sind wir verpflichtet, Formen, die zur Veröffentlichung vorgesehen sind, auf ihre Authentizität zu prüfen, also den Vaterschaftsnachweis zu führen?
2. Folgenreicher: Wie und wie lange noch können wir in jeder Ausgabe bisher unbekannte oder wenig bekannte Baupläne veröffentlichen?
Zu 1.: Ich meine, Wir haben eine allgemeine Sorgfaltspflicht; so haben wir 2 für die Ausgabe III/89 eingereichte Pläne nicht zur Veröffentlichung angenommen, weil die Formen nahezu identisch mit bekannten, schon veröffentlichten Formen waren - eine Tatsache, die den Einsendern sicherlich nicht bekannt war. Dennoch bitten wir unsere Leser um Informationshilfen, wenn wir uns beim Vaterschaftsnachweis geirrt haben. An einigen Beispielen möchte ich zeigen, wie leicht man selbst in so etwas hineingeraten kann (Oder muß man dazu erst so vergeßlich werden, wie ich es leider jetzt schon bin?). Das erste Beispiel betrifft mich selbst und ist deshalb ausführlicher: Vor einigen Wochen wollte ich einen "Synthetik-Hook" bauen (Synthetik ist kein neuer Werkstoff; ich bezeichne damit die Entwicklung einer "zusammenfassenden" Form aus schon vorhandenen). Ein Weitflieger aus 3mm Pertinax oder GFK sollte es werden. Zur Gewinnung einer Mischform legte ich also aufeinander: Volker Behrens' Challenger-Vorläufer, Al Gerhards Hook, Rusty Hardings "Hurricane-Hook" und Herb Smith' "Marathon". Hinzu kam ein Schuß "King Billys Hook" (aus Ben Ruhes Buch "Boomerang"). Das Ergebnis war ein schöner, flacher, fein geschwungener Hook, dessen Profil ich, wie für Weitflieger nötig, von hinten unten anschliff. Dann gings raus auf die Wiese, und ich freute mich an den weiten Flügen mit genauer Rückkehr die "mein"(?) neuer Hook vollführte.
In jenen Tagen jedoch traf eine von mir bestellte Sendung Bumerangs von Herb Smith ein, darunter ein Sussex-Hook. Wie groß war mein Erstaunen, da "mein" neuer Hook fast identisch mit dem Sussex-Hook war; nur fiel dessen Ellbogen-Winkel etwas kleiner aus und die Flügel wurden gegen Ende etwas breiter als bei "meinem" Hook. "Einen synthetischen Eigenentwurf wird dir niemand glauben", dachte ich bei mir. Und dann entdeckte ich auch noch, da ich den Sussex-Hook eigentlich kennen müßte, haben wir ihn doch in der Bumerang Welt selbst veröffentlicht. Das hat mich dann wenigstens daran gehindert, "meinen" Hook - auch mit Hinweis auf die Synthese - in dieser Ausgabe der Bumerang Welt als Bauplan zu veröffentlichen. Unkenntnis und Aufschneiderei wären wohl das mindeste gewesen, was man mir mit Recht vorgeworfen hätte. (P.S.: Einige Tage später ordnete ich gesammelte Schablonen, die mir Jens Behrmann einmal zugestellt hatte. Eine davon war der Sussex-Hook!).

Weitere Beispiele:
Ebenfalls in der Smith-Sendung befand sich dessen "Ninja". Frage: Wie ist der Verwandtschaftsgrad zwischen "Ninja" und Volker Behrens' Challenger-Typen? Ist ein Challenger Ninjas Vater oder umgekehrt? Oder aber - ich weiß, da, Volker zu Herb guten Kontakt hat - sind beide das Werk gemeinsamer Familienplanung?
Eric Darnells "wishbone": Volker nennt seine Version, die wir auch veröffentlicht haben, Wishbone-Variante, korrekt, wie ich meine. Auch mit Eric Darnell ist Volker freundschaftlich verbunden, so daß für eine Abgrenzung einzelner Typen eine entspannte Grundlage gegeben ist.
Das Dreieck, welches Thomas Hartmann mit "Niedersächsisches Dreieck" betitelt, hat bereits einen Vorläufer aus England: Drei Latten sind zu einem gleichseitigen Dreieck zusammengeleimt und mit einem symmetrischen Profil versehen (veröffentlicht im BBS- Newsletter, Sept. 80). Der Holländer Erwin Meerman hatte dann die geniale Idee, das Profil wechselseitig über jede Dreiecksseite auszuarbeiten, wie es auch Thomas tut (BBS-Newsletter und Boemerang, 1983). [Die TRIANGEL aus der Gorny/Schlegel-Baumappe dürfte zu einer Nebenlinie dieser Familie gehören. -gb-]
Nehmen wir einmal Rus Feuerbachs Prospekt aus 1987 zur Hand (Rus-Art, P.O. Box 187, Agawam, Ma 01001). Es ist unschwer zu erkennen, daß mit den hier abgebildeten (und mit Copyright-Vermerk geschützten) Formen ein sehr großer Teil möglicher Bumerang-Formen abgedeckt ist. Legen wir noch ein, zwei Prospekte dazu, merken wir bald, da alle weiteren Möglichkeiten bereits ausgeschöpft sind. "So geht es nicht", ist man versucht zu sagen. Deshalb wollen wir von der Bumerang Welt nicht nur diskutieren (in einer späteren Ausgabe wollen wir auf die in der Bundesrepublik möglichen Schutzrechte eingehen), sondern etwas tun, das vielleicht hilfreich ist: Wir wollen ein Bumerang-Archiv einrichten. Schon jetzt können Hersteller in das Archiv aufgenommen werden. Der erste Wunsch liegt schon vor und ist in Arbeit. Einsendungen für das Archiv (sie werden zunächst nicht veröffentlicht, wohl aber registriert):
  • an Wilhelm Bretfeld
  • auf einem DIN A4-Blatt; obere Hälfte (also DIN A5 quer): Zeichnung der Bumerang-Form mit den Maßen Spannweite, Höhe, Flügelbreite an einigen Stellen
  • dahinein auch ein Profil; wenn Sonderprofil: Zeichnung auf Millimeterpapier mit Überhöhung 2:1, sonst ohne bestimmten Maßstab
  • untere Hälfte: Angaben zum Material, zur Ausrüstung mit Gewichten usw.
So, lieber Roger, das ist unsere Stellungnahme. Du siehst, wie fruchtbar kritische Anmerkungen wirken können. (Mit Torsten konnte ich noch keinen Kontakt aufnehmen. Er kämpft z.Zt. in den USA um Siegerlorbeeren.)
-wb-
 
Zum gleichen Thema:
Wer über einen längeren Zeitraum eigene Bumerangformen entwickelt, kommt zwangsläufig irgendwann zu einer schon dagewesenen Form. Auch Kuriositäten wie das Dreieck sind davon nicht ausgenommen (die Entwurfs-Skizze eines solchen Dreiecks befindet sich auch in dem Berg meiner Entwürfe, aus einer Zeit, als ich weder von einem Thomas Hartmann noch von dem BBS-Newsletter etwas wußte). Ich halte es daher für absolut unmöglich, sich selbst als den alleinigen Erfinder einer bestimmten Form hinzustellen. Besonders beim Bumerangsport gibt es eine große Anzahl von Einsiedlern, die hervorragende Geräte bauen, ohne je zuvor eine Fachpublikation in Händen gehalten zu haben. Persönlicher Kommentar von mir: "Gib' mir eine bestimmte Form, und ich baue Dir einen Bumerang mit genau der gleichen Form, der völlig anders fliegt - oder einen Bumerang mit einer ganz anderen Form, der (fast) genauso fliegt!"
Die Verwandtschaft des ENDURANG aus der Baumappe des Bumerang Projekts mit meinem CHAMÄLEON ist (rein formmäßig) nicht zu übersehen. Es würde mir aber nie einfallen, Winfried ein Plagiat vorzuwerfen. Beim Bumerangbau ist eben niemand allein der "Erfinder der Wassersuppe". Nehmt's also nicht so tierisch ernst!
-gb-

 
   
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