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Mein Mann wirft Bumerangs
Der Bumerangmann, dargestellt aus der persönlichen, sicher einseitigen Perspektive einer Ehefrau

"Follow me!" - wie eine Orientalin geht sie drei Schritte hinter dem hochgemut zu neuen Throws und Catches schreitenden Bumerangfreak - mit ihm hoffend, daß heute der große Durchbruch mit dem neuen Entwurf gelingen möge. Auch ohne eigene Wurf-Aktivitäten - sie ist hoffnungslos unsportlich - kann sie sich für manche Stücke einfach begeistern, weil sie schön sind; sie liegen so glatt und federnd in der Hand.
 
Und dann kommt Freude auf: Die neue Kreation fliegt, kommt zurück und wird elegant gefangen. Die Arbeitsstunden in Werkstatt und Lackierraum erfahren ihre Krönung. Nun geht es unermüdlich weiter: Throw - Catch, Throw - no Catch ... concentration is best occupation. Wie gut, daß sie ihre Lektüre, die sie zu Hause unterbrochen hatte, dabei hat.
 
Eigentlich wollte man ja nicht so lange auf der Wiese bleiben, denkt sie. Aber während er unermüdlich unschuldige Kreise in den Himmel zeichnet, überlegt sie: Was versäume ich eigentlich?
 
Zwei Bussarde kreisen am Himmel, sie hört ihren lauten Schrei. Ist er ein Ausdruck von "Freude"?
 
Zuweilen läßt sie sich durch eine niedrig fliegend Schwalbe täuschen. Das war also kein Bumerang. Schön ist die Stille ringsum. Ihr fällt die Inschrift eines Werbeschildes ein: "im Verein ist Sport am schönsten!" Kollektives Erleben in den großen Stadien kennt sie zum Glück nur aus dem Fernsehen. Mit dieser Art Männermentalität hatte sie sich nie identifizieren können, und sie war froh, die Frau eines sportlichen Individualisten zu sein, auch wenn sie sich der Tatsache bewußt war, ihm nie völlig bis in die Höhen des geistigen Überbaus dieser Sportart folgen zu können.
 
Ich werfe - also bin ich! Aber warum kommt der Bumerang zurück? That's the question! Sie hört der Erklärung geduldig zu, dennoch muß auch sie als einfühlsame Ehefrau feststellen, daß sie wie vor vielen Jahren im Physikunterricht nach einigen Minuten genauso verglast guckt und genau wie damals an andere Dinge denkt; damals träumte sie von dem, der ihr gerade die physikalischen Erklärungen gibt. Heute träumt sie und freut sich, daß sie den Stoff nicht zu wiederholen braucht. Wie schön. Der Angetraute begnügt sich mit einer aufmerksam scheinenden Zuhörerin für seinen Vortrag.
 
Die Bussarde sind mittlerweile auf großer Höhe. Wie schön ist es hier draußen. Die Angst, daß eines der immer unersetzlichen Unikate aus der Bumerang-Produktion in einem Baum hängen bleibt, ist heute zum Glück unbegründet; langes Suchen, Bäume, Schütteln, Ärger mit Naturschützern wird nicht stattfinden: Bäume sind weit, und für das Betreten der Wiese liegt Erlaubnis vor.
 
Am Abend kommen einige Bumerang-Freunde zum Essen. Sie sieht in ihnen liebenswerte Spinner, eigengeprägt und interessant. Bewirtung - Austausch von Erfahrungen. Die Bumerangfrau bewundert mit echter Anteilnahme die herrlichen, in splendid isolation entstandenen Produkte, beobachtet, mit welch liebevoller Hingabe die Hersteller über die Objekte streichen, und überlegt: Wie unsinnig ist doch die Behauptung: "Der Mann in unserer Gesellschaft entbehrt jeder Zärtlichkeit." Frau/Mann sollte dieses Thema überdenken.
 
Während die Bumerang-Gäste weiter diskutieren, kehrt sie zu Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" zurück und denkt: Es war ein schöner Tag. (Der Name der Autorin ist der Schriftleitung bekannt. Stellungnahmen können also an sie weitergeleitet worden.)

 
   
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