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Natürliche Ellbogen: Bumerangs aus Naturhölzern
 
...von einem, der auszieht, um gekrümmte Äste zu finden.
Jeder von uns hat seine Anfangs-erfahrungen im Bumerangbauen gewiß mit Sperrholz gesammelt. Die "Höhenlinien" stellen zweifellos eine praktische Hilfe bei der Profilausführung dar. Michael Siems nutzt diese Tatsache hervorragend in den Bauplänen seiner "Bumerang-Mappe". Ich selber habe beim Bau von vielen Hundert Sperrholzbumerangs eine Erfahrung im Profilieren gesammelt, die mir heute zugute kommt. Zunächst zaghaft, doch nun immer heftiger hat mich das Naturholzfieber gepackt. Das äußert sich in Symptomen, welche meine Familie inzwischen beunruhigt: Bei Spaziergängen und -fahrten halte ich nicht mehr nur Ausschau nach freien Wiesen zum Werfen. Der Blick haftet vielmehr an jeglichem krumm gewachsenen Ast eines Baumes oder Busches. Platanen oder Obstbäume verlocken zum Frefel. Doch glücklicherweise hält das Land Schleswig-Holstein (wie übrigens auch Mecklenburg...) in idealer Weise einen Vorrat an Knickholz bereit. Für alle Freunde südlich von Hannover sei erklärt, daß es sich bei Knicks um mit starkem Buschwerk bepflanzte Wallhecken handelt, die auf den Feldern den Wind brechen sollen. Im Winter ist dann die Zeit des "Knickens", also des Absägens zu hoch gewachsener Büsche. Hier finden sich, besonders bei Weißdorn, Weißbuche, Traubeneiche und Hasel, die herrlichsten Winkelwüchse.

Ab ca. 5 cm Durchmesser ist alles ernst zunehmen. Mitunter enttäuscht der zweite Blick nach einem verheißungsvollen ersten arg: Die wunderbare Biegung verspringt aus der Biegeebene noch einmal. So geht denn manch vermeintliche Traumform doch den Weg zum Brennholz. Problematisch sind Winkelabbiegungen mit einer starken Astabzweigung just am Ellenbogen außen. Kleine Äste ragen nicht so weit in die Maserung der späteren Rohlinge hinein, als daß sie dort zur Sollbruchstelle ausarten. Mein forschender Blick ist grundsätzlich auf potentielle Rückkehrerformen programmiert. Natürlich verschmähe ich auch keinen möglichen Kylie...

Die Behandlung der Beute geht nun nach schmerzlicher Negativerfahrung so vonstatten: Die glatten(!) Sägeschnitte beflamme ich mit Kerzenwachs zu. Der Vorteil dieser Behandlung besteht in der wünschenswerten Tatsache, daß die Aststücke dann nicht mehr durch zu rasches Austrocknen an den Enden tief und unwiderruflich einreißen.

Was nun folgt, ist für ungeduldige Leute eine harte Marter. Die Äste müssen, sollen sie nicht als Rohlinge fürchterlich verziehen, pro Zoll im Durchmesser 1 (ein) Jahr gemütlich trocknen. (Ich erbitte praktikable Vorschläge zur Verkürzung der Wartezeit bei gleichem Resultat).
Bei mir Lagern die Hölzer auf einem zugigen Schuppenboden nach Erntejahrgängen sortiert. Gelegentlich schaue ich beim Umräumen und Wenden nach Ungeziefer. Doch durch die Behandlung mit der Flamme oder durch Zufall habe ich damit bisher keine Schwierigkeiten.
Der Tischler, der mir die 6-9 mm starken Rohlinge sägt, schätzt keine Äste mit Rinde, wohl weil sich dort Sandkörner verbergen können, und die sind Gift für seine Präzisionssäge. Folglich muß der Schraubstock und die solide Klinge herhalten. Lästig zwar- aber schon eine gewisse Vorfreude auf die zu erwartende Maserung und Holzfärbung. Die Rohlinge ruhen dann noch eine Weile zum "Abdampfen". Wegen der großzügigen Stärke der krummen Brettchen können die gelegentlich auftretenden leichten Verbiegungen beim Nachtrocknen noch weggehobelt werden.

Für das grobe Formen des Profils verwende ich gerne einen kleinen Einhandwinkelschleifer mit 36er Körnung auf der 115 mm-Scheibe. Bei dem hochtourig drehenden Ding trage ich lederne Arbeitshandschuhe, Gehörschutz, Atemschutz und Brille. Gern arbeite ich draußen (Staub).
Ich glaube nach wie vor, daß ohne eine entsprechende Vorerfahrung mit Sperrholz befriedigende Vollholzbumerangs kaum herzustellen sind. Eine Augenmaßerfahrung ist notwendig sowie eine gewachsene Erfahrung bezüglich der Harmonie zwischen Flügellänge,-breite und -stärke. Es kann ja keine "Baupläne" geben für zufällig krumm gewachsenes Holz. So muß man sich in der Tat mit den individuellen Maserungsverhältnissen in jedem einzelnen Brettchen auseinandersetzen. Nach dem Feinschliff und dem Einfliegen (und dem dann meist notwendigen Reinigungsschliff) wachse ich die so entstandenen Kleinodien mit allerlei Tinkturen aus dem Ökofarbladen ein. Manche Hölzer lassen sich auch dezent beizen. Sie sehen schmuck aus. Kaum mag man sich nun davon trennen...

Doch manchmal muß ich das. Zum Beispiel als Dankeschön für einen verständnisvollen Förster plus Sperrholzstandards zum Spielen für seine Kinder. Oder ein Exemplar für den Obstplantagenbesitzer, der vor dem Auslichten seiner Bestände Nachricht hinterließ. Die einzig sinnvolle Zeit für die "Ernte" ist der Winter wenn die Bäume und Sträucher nicht "im Saft" stehen. Inzwischen sind meine Bestände so aufgestockt, daß sich auch durch gelegentlichen Verkauf ("nur in gute Hände") die Reihen nicht zu nachhaltig lichten. Wer schon einmal selbst Erfahrung mit der hier erzählten Art des Bumerangbauens gesammelt hat, wird gewiß in den doppeldeutigen Schlachtruf mit einstimmen: "Save trees for boomerangs!"
Der Verfasser würde gerne von Erfahrungen der Leser hören, die sich mit dem Entrinden, Trocknen und Aufsägen der natürlichen Ellenbogen befaßt haben. Vorstellbar wäre auch eine "Tauschbörse" mit Rohlingen, von Wettkämpfen ganz zu schweigen.
em

 
   
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