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Matthias Wiese
Im Knie verleimt: Bumerangs aus zwei Brettern
Meinen ersten Bumerang habe ich aus zwei Buchenbrettern von 6mm Stärke gebaut, im Knie einfach überblattet.
Weil ich Linkshänder bin, hatte ich keine Möglichkeit, einen brauchbaren Bumerang zu kaufen. Das war vor 7 Jahren. Zum Glück hatte meine Nachbarin ein Buch, "Der Bumerang, ein Rotationsflugkörper" von Klaus Weber. Dort fanden sich nicht nur ausreichende theoretische Erklärungen sondern auch Hinweise, aus Massivholz Bumerangs zu bauen.

Mit Feinsäge, Raspel und Stechbeitel ging ich daran, die Ausnehmungen für die Überblattung aus den Brettchen herauszuarbeiten, nachdem ich mir den Winkel der Flügel überlegt hatte. Es war viel Arbeit, die Ausnehmungen möglichst ohne Spiel und mit ebenen Flächen herzustellen, um eine exakte, dichte und damit haltbare Leimstelle zu bekommen.

Es gelang ganz gut, die Verleimung war recht haltbar, hatte aber einen Nachteil: Bei bis in den Bogen durchgezogenem Profil gab es unweigerlich eine Schwachstelle auf der Oberseite, weil von dieser Hälfte der Verbindung zuviel weggenommen wurde. Also legte ich die Überblattung schräg an. Das war noch mehr Arbeit, führte aber zum Erfolg. Die nächsten Bumerangs waren wirklich stabil. Kurze Zeit darauf gab es das erste Birkensperrholz für mich und löste die aufwendige Tischlerarbeit ab.

Einige dieser Massivhölzer überstanden die Zeit, selten benutzt und darum recht unbeschadet. Versuche, aus krummen Ästen Bumerangs zu bauen, gab es auch einige, aber die entstandenen Flugobjekte wurden meist recht wuchtig, bei Materialstärken um 10mm. Außerdem findet sich in fast jedem augenscheinlich brauchbaren Ast eine aus dem Bogen nach außen verlaufende Faser, weil dort andere, kleinere, Ästchen waren. Von dort gehen dann oft schon bei geringer Belastung Risse aus. Das sind dennoch keine Gründe, nicht solche Bumerangs zu bauen!
Aus Lust an schönem Holz und mit inzwischen mehr Wissen und Erfahrung um Bumerangs schlechthin fing ich vor einiger Zeit wieder an, mit Massivhölzern zu arbeiten. Ein Tischler schenkte mir ein Brettchen Kirschholz und ich begann mit der Rekonstruktion eines verlorenen Bumerangs, der als noch vorhandene Sperrholzversion nicht fliegen wollte.

Um leichte, gut fliegende und fangbare Bumerangs aus Massivholz zu bauen, hatte ich mit folgendes überlegt:
  1. Das Profil muß gar nicht bis zum Knie durchlaufen, in der neutralen Zone ist es relativ unwichtig; dort brauchen nur die Kanten abgerundet zu werden. Es reicht also eine einfache gerade und gleichmäßige Überblattung.
  2. Die dabei entstehende senkrecht verlaufende Leimfuge, die ja immerhin halbe Materialstärke tief ist, hält praktisch nichts aus, sie entsteht ohne nennenswerten Pressdruck, ist aber zum großen Teil durch die Hebelwirkung der Flügellänge großen Belastungen ausgesetzt.
  3. Diese Leimfuge muß weggefräst oder -geschliffen werden und zwar mit einem Halbrundfräser, der Rolle eines Bandschleifers oder mit einer Rund- oder Halbrundraspel. Dann muß dort ein Holzstück eingepaßt und mit Druck verleimt werden. Die Maserung des Stückes soll quer zur vorherigen Fuge verlaufen, das bringt erst die richtige Sicherung der Schwachstelle. Es entsteht an dieser Stelle ein Sperrholzeffekt.


Das eingesetzte Stück sollte möglichst festes Holz sein, Buche z.B. Einfache Bumerangs aus zwei geraden Brettern, wie der "Concept" von Rusty Harding, habe ich mit dieser Verbindung variiert. Aber auch meinen Standard-"Löffel" aus 4mm Kirsche, einen "New Wave" MTA aus Esche, Fridolins "Merlin", auch aus Esche gibt es inzwischen. Aus Pflaumenholz ist mir ein 120g schwerer Hook gelungen, den ich allerdings mangels Materialstärke aus 2 Schichten zusammenleimen mußte. Diese Möglichkeit habe ich bei Volker Behrens gesehen. Auf ihre Spezialitäten will ich ein anderes Mal eingehen. Jedenfalls ist es nicht ganz einfach, beim Hook ein stabiles Knie (was ja eher ein offener Bogen ist) herzustellen. Gut ist, wenn das Material einen passenden Faserverlauf hat, wenn z.B. um einen Ast herum ausgeschnitten werden kann.

Es gibt zwei Möglichkeiten, das Holz auszusuchen, aus dem solche Bumerangs gebaut werden sollen. Entwerder habe ich einen Bumerang, für den ich Holz brauche, oder, und das ist häufiger der Fall, ich finde ein schönes Stück Holz, das ich zum Fliegen bringen möchte. Gut geeignet sind Obsthölzer, sie haben wegen ihres langsamen Wachstums eine sehr feine und feste Struktur. Die Farbpalette ist beachtlich: Vom hellen Apfel und heller Birne über verschiedene rötliche Kirschhölzer zur dunkelroten bis violetten Pflaume. Esche ist wegen ihrer Elastizität sehr günstig, sie läßt sich gut verbiegen. Nußbaum und Ulme sind eine farbliche Ergänzung. Diese Hölzer sind in größeren Holzhandlungen als Sägefurnier oder Messerrest (das ist der Rest den die Furniermaschine mangels Dicke nicht weiter verarbeiten kann) erhältlich. Messerreste haben oft den Vorteil stehender Jahresringe, sie verwerfen sich kaum.

Im Vergleich zu Tropenhölzern (die häufig recht giftig sind) lassen sich die oben beschriebenen Hölzer und noch einige andere relativ ungefährlich für Atemwege und Schleimhäute verarbeiten. Eine gute Staubmaske ist bei Schleifarbeiten ohnehin erforderlich, um sich den feinen Staub aus dem Leib zu halten.

Ein schöner Bumerang ist erst dann fertig, wenn seine Oberfläche mit geeigneten Mitteln vor Schmutz und Feuchtigkeit geschützt ist. Die einfachste Möglichkeit ist hier, wie bei allen anderen Bumerangs, die Sprühdose. Für mich ist dies aber auch die schlechteste! Holz ist ein lebender Stoff, dem man seine wesentlichen Eigenschaften nimmt wenn man die Oberfläche einfach zukleistert. Wenn Holz nach dem Feinschliff noch mit feiner Stahlwolle bearbeitet wird, wird es zum Handschmeichler; die Struktur und die Farbe, die durch einen Ölgrund aus Leinölfirnis deutlich werden, finden dann ihre fühlbare Entsprechung. Dieses umfassende Gesamtbild, man kann es übrigens auch riechen, ist nicht haltbar hinter einer transparenten Kunststoffschicht, es bleibt bestenfalls ein konservierter Abklatsch übrig.

Neben dem Einlassen von Walnußöl oder dem Einwachsen mit Bienenwachsbalsam, beides nicht sehr dauerhaft und darum gelegentlich zu wiederholen, gibt es Naturharzlacke die dem Holz mit all seinen vorzüglichen Eigenschaften Rechnung tragen und es ausreichend schützen.
In einer nächsten Bumerangwelt will ich einiges mehr über die Oberflächenbehandlung sagen.

Matthias Wiese
Oranienstr. 24
1000 Berlin 36


Anmerkung:
Das waren harte Worte gegen das Lackieren mit der Spraydose. Ich muß zugestehen, daß Matthias' Stücke wirklich traumhaft schön sind.. Wenn ich mir allerdings mühevoll auf Hochglanz polierte Tischler-Kunststücke vergangener Jahrzehnte ansehe, so finde ich sie durchaus genauso reizvoll. Nur haben wir es heute mit modernen Mitteln bedeutend einfacher, eine solche Hochglanz-Oberfläche zu erzielen. Und die Farspiele eines schönen Holzes kommen so auf jeden Fall am besten zur Geltung!
An dieser Stelle gute Besserung für Matthias, der leider beim gemeinsamen Werfen in einem Hasenloch stecken geblieben ist und sich einen Riß der Achilles-Sehne zugezogen hat. (gb)

 
   
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