Editorial
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Dietrich Evers
 
Es muß nicht immer Sperrholz sein
 
Die im Herbst 1990 in TREIGNES/Belgien stattfindenden ''Zweiten internationalen Spiele mit prähistorischen Waffen'' mit dem Werfen von Bumerangs und Wurfhölzern stellen nicht nur in Deutschland viele von uns vor ein Problem. In den schon jetzt bekanntgegebenen Regeln wird verlangt, daß die Rückkehr-Bumerangs und auch die geradeausfliegenden Wurfhölzer historische oder prähistorische Modelle nachformen sollen und unbedingt aus festem Holz (also nicht aus Sperrholz) sein müssen. Frage: wie bekommt man gekrümmtes festes Holz?
 
Wenn man sich z. B. das Buch von Hanns Peter: ''Wesen und Bedeutung des Bumerangs'' vornimmt oder meinen eigenen Artikel in der Bumerang Welt I/89 und II/89 über die Bumerang-Felsbilder in Nordschweden ansieht, dann hat man ausreichend Vorbilder. Einen Typ, der besonders interessiert, findet jeder sicher gleich. Auf ein Kartonstück wird das Modell größengerecht aufgezeichnet und ausgeschnitten. In diesem Frühjahr warfen fünf Stürme viel zuviele Bäume jeder Art um, bevorzugt natürlich flachwurzelnde Nadelbäume. Noch hat man nicht alle Sturmschäden beseitigen können. Dort, wo besonders krümmerreiche ''Umfaller'' in den Privatgärten und Parks lagen, habe ich um Erlaubnis gebeten, mir ein Stück raussägen zu können. Niemand wies mich ab. Mit der Schablone findet man in geduldigem Suchen das gesuchte Stück. Wenn die Säge nicht allzu stumpf ist, hat man es bald in der Hand.
 
Das Schälen des Astkrümmers bereitet kaum Mühe. Da die Bäume leider schon in Saft standen, kann man mit einem Spachtel großzügig daruntergreifen. Ich erinnere an den Vorzug der ''nordischen Hobeldiele'', der allein darin besteht, daß das Fichtenholz in Skandinavien heute noch geflößt wird. Also: hinein in die Regenwassertonne oder in eine Waschbütte und mit einem Backstein belastet. Zwei bis sechs Wochen bleibt das Stück bei mir unter Wasser liegen. Dieses Schwemmen verdichtet die Holzstruktur. Wenn das Holz dann endlich aus dem Wasser genommen wird, sollte man es um himmelswillen nicht ''schnelltrocknen''. Wenn man es wochenlang ganz langsam in einem Feuchtraum oder im Schatten der Nordseite des Hauses austrocknen läßt, gibt es keine lästigen Schwundrisse. Bei Halbzeit beginne ich bereits, ein Kernstück freizusägen, stark genug, daß bei späterem Verziehen immer noch ein planliegender Bumerang entstehen kann. Das Sägen des immer noch feuchten Holzes in Wuchsrichtung, eingespannt in einen Schraubstock oder eine Hobelbank, erfordert viel Geduld und unbedingt eine frisch geschärfte Handsäge. Die abfallenden Seitenteile ergeben, wenn sie stark genug sind, immer noch gute Rohstücke, die später umfangreich korrigiert werden müssen, da sie sich nach außen verziehen.
 
Wer mit Zugeisen, Schnitzmesser, oder einfach mit dem Hobel umgehen kann, wird keine Sorge haben, das gute Stück später im trockenen Zustand zu vollenden. Wer im Herbst mit guten Stücken Erfolg haben will, sollte nicht säumen, sofort mit der Vorbereitung zu beginnen. Die Zeit vergeht schnell! Unter uns gesagt: mit Sperrholz ginge es natürlich schneller. Aber beim ''Hase und Swinegel'' war der Schnellere nicht der Schlauere!
 
Dietrich Evers
Wiesbaden
 

Es muß überhaupt nicht Holz sein!
 
Wie allgemein bekannt ist, schnitten die Aborigines das Holz für ihre Bumerangs aus lebenden Bäumen ohne diese ernsthaft zu verletzen; der Baum lebte weiter.
 
Matthias Wiese hat sich bei den Berliner Meisterschaften frei nach diesem Grundsatz betätigt; sein Material war allerdings kein Holz sondern ein Trabbi!
 
Wer hätte gedacht, daß aus diesem so oft verspotteten Gefährt ("Rennpappe aus Zwickau") gut fliegende Bumerangs zu bauen sind? Die Außenhaut besteht aus einer ominösen Mischung von Phenolharzen, Stoff- und Holzfasern. Das Material ist etwa 3 mm dick und in etwa mit Pertinax zu vergleichen.
 
Matthias fuhr mit dem (betagten aber noch fahrfähigen) Trabbi vor, zeichnete einige Bumerang-Umrisse auf die Türen und Kotflügel, setzte die Stichsäge an und schnitt die Rohlinge aus dem "lebenden Material". Die Profilierung erfolgte mit der Power-Feile, und dann ging es auf den Wurfplatz. Ein Trabbi-Marathon flog besonders gut!
 
gb

 
   
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