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Winfried Gorny
 
Die Regeln für Long-Distance
müßten korrekter und gerechter abgefaßt werden

 
Vielleicht ist Euch auch schon einmal aufgefallen, daß der Weitwurf in den Wettkampfregeln eine entscheidende abweichende Bedingung hat, die nur bei dieser Disziplin vorkommt.
 
Es wird von einer 40 Meter langen Grundlinie abgeworfen!
 
Diese Linie muß bei der Rückkehr an irgendeiner Stelle, ob von vorn (bei direkter Rückkehr) oder von hinten (bei seitlichem Vorbeiflug und anschließendem "Zurücktauchen" des B´s) überquert werden. Hier wird meines Erachtens die eigentliche Physik des Bumerangfluges unberücksichtigt gelassen, und bestimmte Konstruktionen werden bevorzugt!
 
Warum ist die Regel nicht entsprechend zu Fast-Catch, Endurance, Genauigkeitswerfen und Australischer Runde ausgelegt, wo Abwurf und Catch resp. Landung in einem definierten "Bulls Eye" vonstatten gehen müssen? Dies entspricht m. E. der Physik des Bumerangs, der ohne bestimmte "Kniffe" von der Natur her ein Kreisel und Kreisflieger ist.
 
Sicherlich handelt es sich bei den meisten Long-Distance-Konstruktionen um keine Kreisflieger. Vielmehr werden die herkömmlichen "Hooks" durch eine Art "Überballastierung" in eine Flugbahn gezwungen, die eher einer langgezogenen Ellipse entspricht. Ich spreche von "Überballastierung", da diese Bumerangs nur noch zurückkehren, wenn der Werfer sie extrem "sichelt", im Prinzip einen Abwurffehler macht. Dabei entsteht eine Art JoJo-Effekt, den man auch mit Frisbee-Scheiben provozieren kann:
 
Der Bumerang fliegt fast ausschließlich geradeaus, gewinnt ungeheuer an Höhe, beschreibt am entferntesten Punkt einen Bogen mit relativ geringem Durchmesser und kommt auf fast derselben Flugbahn zurück.
 
Er fliegt also nach dem Sichelwurf im Prinzip wie eine Frisbee-Scheibe geradeaus, wobei er ständig an Höhe gewinnt. Ist die Vorschub-Energie des Abwurfs aufgezehrt, kehrt er im Sinkflug (da sich ja auch sein Auftrieb mit nachlassender Rotation aufzehrt) an den Ausgangspunkt zurück, wobei der Rückenwind auch noch ausgenutzt wird; genau wie beim provozierten Rückkehrflug einer Frisbee-Scheibe!
 
Für diese Long-Distance-Konstruktionen ist die Wettkampfregel maßgeschneidert!
 
Schwierigkeiten ergeben sich allerdings beim Wechsel der Hauptwindrichtung. Die Grundlinie muß dann verlegt werden.
 
Wirklich dumm wird die Sache erst, wenn ein Werfer auf den Plan tritt, der mit einem Vollkreisflieger zum Wettkampf antritt. Für ihn muß die Grundlinie jedesmal verlegt werden, da diese Bumerangs mit einem erheblich größeren Luvwinkel abgeworfen werden als die "Frisbee-Rangs" - nähmlich mit 90 Grad vom Wind - und das auch noch bei 5 Windstärken.
 
Abgesehen vom organisatorischen Aufwand wie dem Verlegen der Grundlinie, dem Verändern der Schiedsrichter im Feld (da das Entfernungsmaximum auch an anderer Stelle liegt), ist der erforderliche Zeitaufwand weder für die Wettkämpfer noch für die Zuschauer angenehm. Hinzu kommt die nervliche Belastung durch sicherlich nicht ausbleibende Proteste immerwährender Protestierer!
 
Das eigentliche Problem für den Werfer eines Vollkreisfliegers ergibt sich aber erst aus der erstaunlichen Tatsache, daß, er einen "Punkt-Catch", also einen Fang direkt auf dem Abwurfpunkt machen kann, dennoch aber keinen gültigen Wurf getätigt hat. Das rührt daher, daß vor der Abwurflinie abgeworfen werden muß (bei Strafe der Ungültigkeit des Wurfes = Übertritt) und der Bumerang auf seiner kreisförmigen Flugbahn sauber die Abwurflinie umrundet und ohne Überqueren der Abwurflinie in der Hand des Werfers landet.
 
Das kann doch so wohl nicht gehen!?
 
Abgesehen davon, daß der Werfer eines Vollkreisfliegers m. E. eigentlich Extra-Punkte verdient, da z. B. sein 100m-Flieger sehr viel mehr an Flugstrecke zurücklegt, als ein vergleichbarer 100m-Flieger, der ein Ellipsoid beschreibt, kann diese Zusatzleistung doch wohl nicht auch noch mit einem ungültigen Wurf bestraft werden, oder!?
 
Ich habe über diese Problematik auch schon mit anderen, zum Teil hochkarätigen Wettkämpfern wie Uli Konzelmann und Ulrich Roos gesprochen, die meinen Argumenten durchaus zugänglich waren; aber irgendwie wurde bislang in dieser Beziehung noch nichts unternommen. Ich möchte dieses Thema jetzt in der Bumerang Welt und im DBC-Info zur Diskussion stellen und würde mich freuen, etwas zu bewegen und von Euch, liebe Mitwerfer, mal ein Statement zu erhalten.
 
Ich rege hiermit an, daß beim Long-Distance-Wettbewerb in Zukunft auch aus einem Kreismittelpunkt heraus geworfen werden wird und eine Landung oder ein Catch - ähnlich wie in der Australischen Runde -dann Gültigkeit hat, wenn beides im Kreis von 15 (oder 20??) Meter Durchmesser vonstatten geht.
 
Ich hoffe, daß ich hiermit zu einer entscheidenden Verbesserung bezüglich der Organisation und des Ablaufes sowie zu einer gerechteren Regelung des Long-Distance- und anderer Wettbewerbe beitragen kann.
 
Mit den allerbesten Wünschen und Grüßen
und dem unvermeidlichen MHR
 
Winfried Gorny
Berner Allee 28
2000 Hamburg 72

 
   
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