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Windbumerangs
 
Bis vor einem guten Jahr gehörte ich zu den "Schön-Wetter-Werfern", ab Windstärke 4 blieben die Bumerangs zu Hause. Dann kam Travemünde '89, und ich sah zum ersten Mal, daß man auch bei mehr Wind werfen kann. Keine Rekordergebnisse, aber es geht. Ich selbst bin übrigens total untergegangen, war aber mal wieder um eine Erfahrung reicher. Nach einem Jahr Tüftelei komme ich nun auch ganz gut mit Wind zurecht und will es nicht versäumen, meine Erfahrungen an die Leser der Bumerang Welt weiterzugeben.
 
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Bumerang windstabiler zu machen. Die meisten Maßnahmen bewirken ein Abbremsen der Vorwärts-und Drehbewegung. Ein Bumerang, der schon bei Windstille, locker abgeworfen, sekundenlang schwebt oder sogar zu einem zweiten Kreis ansetzt, ist bei Wind völlig unbrauchbar. Windbumerangs fliegen meist einen relativ hohen Kreis, kommen über dem Werfer praktisch zum Stehen und fallen dann auf ihn herab. Solche Bumerangs sind bei Windstille nur mit vollem Krafteinsatz oder gar nicht zum Rückkehren zu bewegen. Das bedeutet natürlich ein Risiko, denn bei einer plötzlichen Flaute steht man dumm da.
 
Wie sollte so ein Gerät beschaffen sein?
 
Das Material:
 
Hier hat sich Pertinax (Hartpapier, im englischen Sprachraum: Paxolin) in 3 und 4 mm Stärke durchgesetzt. Das spezifische Gewicht scheint ideal zu sein. Bei stärkerem Wind ist dem 4mm-Material der Vorzug zu geben. Vor der Verarbeitung von Pertinax ohne Atemschutz (damit meine ich keine einfache Staubschutzmaske!!) will ich hier jedoch ausdrücklich warnen - der bei der Verarbeitung eintstehende beissende Arzneimittelgeruch läßt die giftigen Inhaltsstoffe bereits erahnen.
 
Weiterhin erfreut sich Polypropylen (PP) in 6 mm Stärke wachsender Beliebtheit. Es ist in Platten von 2 x 1 m (Kosten ca. 100.- DM) erhältlich. Der Hauptvorteil von PP besteht in der hervorragenden "Tunebarkeit". Doch auch das altbewährte Sperrholz ist, in 5 und 6 mm Stärke, versehen mit Gewichten und/oder Bremskläppchen, nicht zu verschmähen. Die Wahl des Materials überlasse ich daher jedem selbst.
 
Die Form:
 
Auch hier gibt es keine besonderen Geheimnisse. Da schweres Material bzw. Gewichte angesagt sind, sollte man zur Erzielung kleiner Reichweiten (Fast Catch etc.) Formen wählen, bei denen die Arme in Richtung Schwerpunkt zeigen. So wird der erzeugte Auftrieb bestmöglich umgesetzt. Sonst sind Omega- und V-Formen gut geeignet. Zu groß sollten sie nicht gebaut werden. Ich werfe praktisch nur noch mit Bumerangs unter 30 cm Spannweite (außer für MTA und Long Distance).
 
Ein wichtiger Punkt ist die Flügelbreite. Breite Flügel bedeuten viel Fläche und damit viel Angriffsfläche für den Wind. Sie sollten also möglichst schmal gehalten werden. Je nach Materialstärke gibt es eine Untergrenze, ab der ein Bumerang nicht mehr fliegt. Sie liegt bei 5 mm Stärke etwa bei 2 cm. Umgehen kann man diesen Effekt, wenn man die Flügelenden verbreitert. Ich habe z.B. eine hervorragend fliegende V-Form aus 4 mm Pertinax mit nur 1,5 cm breiten Flügeln, die am Ende auf 3,5 cm verbreitert sind. Bei dieser Methode ist die Untergrenze der Flügelbreite praktisch nur durch die Bruchfestigkeit des Materials bestimmt. Je schmaler die Flügel, umso kräftiger muß aber auch der Abwurf sein. Also am besten selbst ausprobieren, wie weit man herunter gehen kann.
 
Außerdem hat sich ein verlängerter Arm 2 bei fast allen Formen als günstig erwiesen.
 

Das Profil:
 
Hier gilt der Grundsatz: Wenig ist mehr! Ich habe bei starkem Wind schon mit einem unprofilierten(!) Rohling aus 4 mm Sperrholz geworfen, der nur etwas gebogen war. Meine Windbumerangs sehen meist so aus:
  • An den (verbreiterten) Flügelenden gut durchprofiliert, Kanten jedoch plump lassen und nicht zu stark runden,
  • zum Ellbogen hin immer weniger profilieren, fast eckig lassen, nur mit Schleifpapier die Kanten brechen,
  • wegen des hohen Gewichtes sind meist kräftige Bevel erforderlich (und vorteilhaft).

Am besten ist es, erst einmal weniger Material wegzunehmen und nach dem ersten Flugversuch nachzuarbeiten. Verliert der Bumerang zuviel Rotation: An den Flügelenden die Vorderkante mehr von oben abschleifen. Wird die Vorwärts-Bewegung zu stark gebremst: Im Bereich des Schwerpunktes/Ellbogens die Kanten mehr von oben abschleifen. Ich bin neuerdings der Meinung, daß das sorgfältige Abrunden der Kanten bei Bumerangs (ganz allgemein) nicht sinnvoll, teilweise sogar nachteilig ist!
 
Tuningmaßnahmen:
 
Einen vorhandenen Bumerang kann man durch Löcher und aufgeklebte Störkörper windstabiler machen. Löcher, senkrecht durch den Bumerang gebohrt, verringern die Angriffsfläche für den Wind. Außerdem verkürzen sie die Schwebephase. Der Durchmesser der Löcher liegt üblicherweise bei etwa 4 bis 10mm. Im Ellbogenbereich bis zur Armmitte verändern sie die sonstigen Flugeigenschaften nicht allzu sehr. Ein Loch am Ende von Arm 1 läßt den Bumerang deutlich höher und gleichmäßiger fliegen. Ich bohre häufig zwei Löcher von etwa 4mmø in beide Flügelenden. Der Flug wird dadurch stabilisiert, der Bumerang macht weniger "Zicken" bei leicht böigem Wind. Anstelle von Löchern können auch Schlitze in die Arme gesägt werden. Diese sollten im Bereich zwischen Armmitte und Schwerpunkt angebracht werden. In Reinbek sah ich Doug DuFresne mit einem Sperrholz-Vierflügler werfen, bei dem fast die gesamten Arme geschlitzt waren. Übrigens kann man die Schlitze auch prima zur Unterbringung von "Nite Lites" (Knicklichter) verwenden. Daß Löcher (bzw. Schlitze) bei Wind grundsätzlich von Vorteil sind, kann ich nicht behaupten.
 
Aufgeklebte Störkörper oder Bremskläppchen sind leicht anzubringen und, im Gegensatz zu Löchern, auch leicht wieder zu entfernen. Sie können aus Klebeband (ca. 2cm breit) oder anderen Materialien (Wilhelm empfiehlt Tesa-Moll) bestehen. Es gilt das gleiche wie beim Profil: An den Flügelenden angebracht wird die Rotation, in Armmitte mehr die Vorwärtsbewegung gebremst. Eine sehr aufwendige Störkörpermethode wurde in der letzten Bumerang Welt (Bauplan "Old Faithful") vorgestellt, eine andere im DBC-Info Nr. 18.
 
Der Einsatz von Gewichten ist bei Windbumerangs nicht anders als sonst auch. Es gilt: Je mehr Gewicht, umso besser! Der Vollständigkeit halber noch eine kurze Zusammenfassung:
 
  • Am Armende -> größere Reichweite
  • Am Ellbogen/Armmitte -> mehr Rotation
  • An Arm 1 -> tieferer Flug
  • An Arm 2 -> höherer Flug.

Nun haben wir einen Bumerang aus schwerem Material, mit schmalen Flügeln, kantigem Profil, Löchern, Bremsklappen und Gewichten gebaut - und können ihn nicht mehr werfen. Logisch! Erstens erfordern solche Bumerangs einen sehr kräftigen Abwurf mit extrem viel Spin, zweitens sollte man mit allen Maßnahmen sparsam umgehen. Ein Patentrezept, also den Windbumerang, gibt es nicht. Jeder muß selbst herausfinden, ob nun Löcher, Störkörper oder schmalere Arme besser zu seinem individuellen Wurfstil passen.
 
Ich empfehle folgende Methode: Den Bumerang durch ein geeignetes Material, Profil und Gewichte auf die richtige Reichweite und ein ausreichendes Abbremsen der Vorwärtsgeschwindigkeit bringen, so daß er bei wenig Wind noch gut zu handhaben ist. Dann schrittweise Löcher bohren, bis er, ebenfalls bei wenig Wind, mit viel Spin geworfen, noch eben so zurückkommt. Dann bei Wind ausprobieren und durch Anbringung von Störkörpern die veränderte Flugbahn ausgleichen. Achtung: Bei Wind kann sich die Reichweite drastisch verringern! Es kann dann durchaus ein zusätzliches Gewicht erforderlich sein.
 
Der Wurf:
 
Wer bisher nur bei Windstille oder leichter Brise Bumerangs, die keinen nennenswerten Kraftaufwand erfordern, geworfen und sich über eine möglichst genaue Rückkehr gefreut hat, der hat erst mal einiges Training vor sich. Es ist wie gesagt ein kräftiger Abwurf mit enormer Rotation erforderlich. Man sollte sich also, bevor man zu diesen "Teilen" greift, erst mal mit normalen Geräten warmwerfen, um Zerrungen zu vermeiden.
 
Fast alle Bumerangs stürzen bei Wind ab, wenn man sie parallel zum Boden oder sogar leicht abwärts wirft. Der Wurf sollte deutlich aufwärts gerichtet sein. Der Neigungswinkel sollte um den Nullpunkt herum liegen - den Bumerang also senkrecht bis leicht negativ geneigt halten. Außerdem muß wesentlich weiter (ca. 90¿) aus dem Wind heraus geworfen werden.
 
Bei starkem Wind hilft meist nur der sogenannte Humpback- oder Hunchback-Wurf. Dabei wird der Bumerang zwischen 90 und 180¿ aus dem Wind steil nach oben geworfen (etwa wie ein MTA). Er steigt ziemlich hoch, sinkt dann gegen den Wind, steigt durch die zusätzliche Windgeschwindigkeit erneut an, erreicht einen zweiten Höhepunkt (toll!!), hat nun seine Vorwärtsenergie aufgebraucht und sinkt zum Werfer herab. Dieser Wurf hat den großen Vorteil, daß der Bumerang fast immer von oben auf den Werfer herunter kommt und nicht über den Kopf wegzischt, um 10 oder 20 Meter weit hinter ihm zu landen. Übrigens: So etwa ab Windstärke 6 geht nichts mehr (jedenfalls bei mir nicht).
 
Der Bauplan auf Seite 11 ist meiner Meinung nach gut geeignet, um sich die andersartige Wurftechnik anzutrainieren.
 
Viel Spaß!
 
gb

 
   
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