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Gerhard Kaltenegger
 
Post aus Australien

 
Zu meinen Bekannten zählt ein junger Mann, mit dem mich mein zweites großes "aerodynamisches" Hobby verbindet, das Segelfliegen. Er kennt natürlich meine Bumerangaktivitäten. Sein Vater kennt jemanden, der mit Australiern zu tun hat, und einer von diesen wiederum kennt jemanden, der in der Aborigine-Mission tätig ist. Letzterer kennt ... (u.s.w.). Folge dieser Kette von "Kennern" war jedenfalls, daß kurz vor Weihnachten 1989 bei mir ein Paket (oder besser eine unförmige Rolle Packpapier) angeliefert wurde. Die "Entwicklung" förderte zu meiner großen Freude und Überraschung zwei Bumerangs von beachtlicher Größe zu Tage (s. Abb.).
 
Daß es sich dabei um Nicht-Rückkehrer handelt, war unschwer zu erkennen. Der längere, leicht gekrümmte, wäre (bei Zugrundelegen der völkerkundlichen Einteilung) dem zentralaustralischen Typus zuzuordnen. Für den anderen habe ich keinen vergleichbaren Typ gefunden: Von den klassischen Hakenbumerangs unterscheidet er sich jedenfalls deutlich dadurch, daß der "Haken" - offenbar einer natürlichen Astgabelung folgend - spitz auf das Ende des Armes zuläuft.
 
Beide Bumerangs haben vollkommen flache Unterseiten, was bei Nichtrückkehrern, die als Vielzweckgeräte dienten (Kultgerät, Schlag- und Wurfwaffe, Grabwerkzeug u.ä.), nicht aussergewöhnlich ist. Die Oberseiten sind gleichmäßig gerundet, haben also kein aerodynamisches Profil wie unsere Sportbumerangs. Beide sind im Profilquerschnitt 6-7 cm tief und ca. 1,7 cm dick, der "Haken" wird zu seiner Spitze hin dünner. Die Profilkanten sind durchgehend ziemlich scharf (Handhabung?). Beide wiegen knapp über 500g. Die Farbe ist ein warmer Braunton.
 
Die Bumerangs stammen natürlich aus moderner Produktion; als ich sie erhielt, verströmten sie noch einen angenehmen ätherischen Duft. Da sie sich wohltuend von den mir bisher bekannten Australienmitbringseln (Sperrholz, mehr oder weniger kitschige Bemalung oder Brandverzierung) unterscheiden, habe ich versucht, Näheres in Erfahrung zu bringen; insbesondere war ich daran interessiert, ob es sich um Nachbauten handelt und welchem Verwendungszweck die Originale ggf. gedient haben. Leider hatte ich mit meinen Nachforschungen nur begrenzten Erfolg. Die o.g. Kette der Vermittler war nur mühsam aufzurollen, und mein letzter Brief, den ich an den Erwerber weiterzuleiten bat, blieb unbeantwortet. Herausbekommen habe ich folgendes:
 
Die Bumerangs sind handgemacht (was durch die unebenen Oberflächen mit deutlich sichtbaren längsgerichteten Bearbeitungsspuren belegt zu sein scheint; auch Raspelspuren sind erkennbar, zum Teil halbkreisförmig, was auf die Benutzung einer Schleifscheibe o.ä. hindeutet). Hergestellt wurden sie von Aborigines in der Nähe von Katherine (Nordterritorium), südsüdostwärts von Darwin. In Katherine wurden sie auch gekauft. Sie bestehen aus mulgawood, einem typischen Bumerangbauholz. Mulga ist eine harte Akazienart, die in den zentralaustralischen Wüsten und Halbwüsten wächst.
 
Für mich von Interesse wäre, ob einem unserer Australienbesucher schon einmal derartige Bumerangs begegnet sind. Sollte er (oder sie) Näheres darüber wissen, würde ich mich über eine Nachricht sehr freuen.
 
Many happy Returns (natürlich mit hierfür geeigneten Bumerangs)!
 
Gerhard Kaltenegger Breslauer Str. 20 5309 Meckenheim

 
   
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