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Geschichte zum Anfassen
 
Die Beschäftigung mit dem Thema Bumerang führt wohl fast unweigerlich auch zu dem Thema Australien und der Geschichte des faszinierenden Wurfholzes. Einen Blick durch die Glasscheiben einer Museums-Vitrine haben wahrscheinlich schon die meisten von uns geworfen. Doch ich wollte mehr! Nach einem kurzen Schriftwechsel und telefonischer Verabredung durfte ich dann, zusammen mit Matthias Wiese und bewaffnet mit Kamera, Waage, Zollstock und Schieblehre, in die "heiligen Hallen" des Berliner Museums für Völkerkunde vordringen.
 
An dieser Stelle meinen herzlichen Dank an den Leiter der Südsee-Abteilung, Herrn Dr. Schindlbeck und den geduldigen Herrn Heine, der uns hilfreich unterstützt hat.
 
Nur etwa 5% des gesamten Bestandes sind der Öffentlichkeit zugänglich. Der Rest lagert in den Kellerräumen in großen Glasschränken. Verglichen mit anderen Regionen des Bereiches Südsee ist Australien sehr bescheiden mit nur einem Schrank vertreten. Das kümmerte uns jedoch wenig, als die erste Tür geöffnet wurde, und den Blick auf eine Sammlung aufgehängter Wurfhölzer freigab. Begierig wurden einzelne Stücke herausgenommen, vermessen, gewogen und fotografiert, aus den Karteikarten wurden die wichtigsten Daten abgeschrieben. Der größte Teil der Sammlung wurde übrigens um die Jahrhundertwende erworben, etwa von 1870 bis 1910.
 
Nach einer guten Stunde hatten wir aus etwa 50 Bumerangs und Wurfhölzern typische Stücke ausgewählt und erfaßt; etwas enttäuscht stellten wir fest, daß es sich überwiegend um ähnliche Modelle der Aranda handelte (Zentral- bis Nordaustralien). Da machte uns Herr Heine darauf aufmerksam, daß der Schrank auch eine Rückseite hat! Hier fanden wir nun: Queensland, Victoria, New South Wales, Westaustralien u.s.w. Ich war voll mit dem Abschreiben der Daten, dem Vermessen und Fotografieren beschäftigt, während Matthias immer neue Kostbarkeiten zu Tage brachte. Von Entzückensrufen begleitet fand er einen sehr schönen Hakenbumerang und mehrere, mit herrlichen Ritzornamenten verzierte Modelle. Schließlich entdeckte ich noch einen prachtvollen Lil-Lil mit 500g Gewicht.
 
Als leidenschaftlicher Sammler konnte ich folgende Erkenntnisse gewinnen: Von den (überwiegend mehr als 100 Jahre alten) austra1ischen Bumerangs hatte nur einer eine rot bemalte Spitze, bei einigen waren die Reste von weißen oder gelblichen Querstreifen undeutlich zu erkennen. Der überwiegende Teil war unbemalt oder mit rötlicher Ockererde eingerieben. Die teilweise sehr schön ausgearbeiteten Ritzmuster waren überwiegend nicht sehr tief und damit undeutlich. Deutliche Ritzornamente und farbige Bemalung lassen also auf ein jüngeres Herstellungsdatum schließen. Erstaunlich fand ich, daß viele Stücke eine nahezu perfekt glatte Oberfläche hatten; Riefen und Rillen wie sie eine Raspel hinterlassen waren dagegen nirgends zu finden.
 
Eines ist mir außerdem klar geworden: bumerangähnliche Wurfhölzer wurden in den verschiedensten Ländern benutzt, in Museen gibt es dafür nur wenige - Beispiele. Wenn aber allein im Berliner Museum für Völkerkunde ca. 100 australische Bumerangs vorhanden sind (grob geschätzt), so kann man Australien wohl eindeutig als Ursprungsland des Bumerangs bezeichnen!
 
Es war ein sehr eindrucksvolles Erlebnis an dem wir die Leser ein wenig teilhaben lassen und sie gleichzeitig ermuntern wollen, auch einmal einen solchen Ausflug in die Geschichte des Bumerangs zu unternehmen.
 
gb
 
Abbildungen der Bumerangs in der Galerie!

 
   
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