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Adam Müller
Schlitze in Bumerangs, die endgültigen Windbesieger?

 
Die Frage kann ich leider nur mit einem klipp und klaren "Nein" beantworten!
 
Schlitze in Bumerangs ermöglichen unter ganz bestimmten Voraussetzungen einen ruhigeren, gleichmäßigeren und konstanteren Flug im Vergleich zu nicht geschlitzen Artgenossen und sind dadurch bei Wind besser in ihren grundsätzlichen Flugeigenschaften berechenbar.
 
Doch muß ich etwas weiter ausholen, um über die persönliche Entwicklung meiner "Schlitztechnik" dem einen oder anderen von Euch ähnliche "Aha-Erlebnisse" zu ermöglichen!
 
Auf geschlitze Bumerangs wurde ich das erste Mal 1989 anläßlich eines Berichtes der Bumerang Welt aufmerksam. Darin war ein "Fast-Catch" Zweiflügler mit Bauanleitung abgebildet, der ca 3-4cm unterhalb des Ellenbogens auf Arm 1 und Arm 2 je einen Schlitz von ca. 5 cm Länge und 5 mm Breite aufwies! Der Bu. war aus 4 mm dickem Birkensperrholz und flog zu meinem Erstaunen die Höhe von 1,50 durchgängig haltend einen Kreis von ca. 25 m. Auch bei mittlerem und stärkerem Wind!
 
Die Tatsache, daß dieser Bu. die Höhe permanent haltend und ohne Schnörkel ziemlich flott wieder zu mir zurückkehrte, hat mich fasziniert.
 
Ich muß allerdings dazu sagen, daß ich erst 1989 mit dem Bau von Wettkampfbumerangs (verschiedene Disziplinen) begonnen habe und bis dahin nicht so recht wußte, wie man "Fast Catch-Eigenschaften" und "Floatingeigenschaften" durch Schliff bzw. Biegung hinbekommt! Für mich war damals ab dem Tag klar, daß "Fast Catches" nur mit Schlitzen zu bauen sind, um halbwegs sichere schnell fliegende Bu. zu bekommen (heute weiß ich, daß durch Schliff und Biegung genau die gleichen Eigenschaften zu bekommen sind).
 
Der nächste Schritt war, daß ich alle meine bis dahin gebauten "schnellen Teile", die wegen Ihrer Unzuverlässigkeit, anstatt an Wettkämpfen teilzunehmen zur Strafe in meiner Wohnung an der Wand hingen, nach und nach mit Schlitzen versah! Und siehe da, 90 % der damals von mir nachträglich geschlitzten "Fast-Catches" wurden zuverlässiger, gleichmäßigere Flugbahnen aufweisend, berechen- und fangbar!
 
Begonnen habe ich grundsätzlich mit Schlitzen in der Größe 4-5mm und zwischen 3 und 4 cm am Arm 2 ca. 3 cm unterhalb des Ellenbogens. D.h. ein Bumerang, die Form ist fast egal, der zu hoch flog, der spiralförmig um mich herumflog, der hinter mir eindrehte etc. bekam am Arm 2 einen Schlitz verpaßt. Stieg er dann immer noch zu hoch bzw. hatte immer noch irgendwelche der uns allen bekannte Macken, folgte im Abstand von ca. 1 cm unter dem ersten Schlitz ein zweiter.
 
Dieses Spiel habe ich zuweilen soweit getrieben, daß der Arm 2 bei manchen Bumerangs fast nur aus Schlitzen bestand und zwar soviel, bis der Bu. die gewünschte gleichmäßige Flugbahn aufwies und leicht zu fangen war! Bei manchen der extrem "geschlitzten" kam es vor, daß sie abstürzten, weil ich sie überschlitzt hatte; verblüffenderweise konnte durch unterseitiges oder oberseitiges Abkleben von einem oder einem halben Schlitz mit glattem Isolierband die Flugtauglichkeit wieder hergestellt werden!
 
Mit der Entwicklung der Schlitze am Arm 1 habe ich nach anfänglichen Versuchen bisher mich noch nicht so ausführlich befassen können, ich weiß nur, daß ein Schlitz am Arm 1 in der Nähe des Ellenbogens dem Bumerang eher ansteigen bzw. unruhiger fliegen läßt!
 
Auch habe ich festgestellt, daß am Arm 2 geschlitzte Bu. "weiter fliegen" und "vor mir eindrehen", was mit Sicherheit im Hinblick auf die Windstabilität von erheblichem Vorteil ist. Des weiteren habe ich zusätzlich die meisten tieffliegenden Teile von unten gehöhlt (aber gleichmäßig!!) und mit Bevels versehen. Bei vielen habe ich den Arm 1 noch gewichtet am Flügelende, dann dreht er noch mehr vor mir ein und fliegt weiter!
 
Nach relativ kurzer Zeit war ich in der Lage, beim Bu.-Neubau Schlitze bewußt anzuordnen, um schon vorher die Flugeigenschaften bestimmen zu könne! Heute bin ich in der Lage, Schlitze bei allen Flugeigenschaften sinnvoll ergänzend einzusetzen, habe jedoch viel zu wenig Zeit, die "Schlitztechnik" im größeren Umfang, z.B. auf den Arm 1 übertragen, weiter zu erforschen und muß mich auf zufällige oder spontane Vorstöße in dieser Richtung beschränken.
 
Meine neueste Entwicklung in Sachen Schlitze ist das Schlitzen von Langzeitfliegern (MTA´s) und das Höhlen derselben! Mit Freude las ich in der "Bumerang Welt" einen Kurzbericht über einen "geschlitzten MTA", der nach meinen Angaben wohl, was die Anordnung des Schlitzes anbelangt, hergestellt worden ist und seinen Werfer durch überdurchschnittlich lange Flugzeit viel Spaß bereitet hat!
 
So jetzt genug über die Entwicklung! Ich möchte jetzt ein paar technische und flugeigenschaftliche Details loswerden, möchte jedoch darauf hinweisen, daß es sehr schwer ist, unabhängig vom Schliff, Höhlung, Unterschliff und der Form des Bumerangs allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten aufzuzeigen und empfehle Interessenten schrittweise vorzugehen!
 
Grundsätzlich macht man mit Schlitzen nichts verkehrt, man kann sie ja notfalls wieder einseitig zukleben. Die Verwirbelung auf der jeweils offenen Seite wirken sich garantiert positiv aus!
 
Warum das so ist, kann ich nur vermuten:
  • zunächst wird der Arm, an dem ich Schlitze anordne, leichter!
  • dann gibt es an diesem Arm mit Sicherheit Luftverwirbelungen an den Schlitzrändern oberhalb bzw. unterhalb der Tragfläche (je nach dem, ob der Schlitz ganz offen oder nur einseitig offen ist)!
  • Die Verwirbelungen wirken sich positiv oder negativ auf die Flugbewegung aus! Negativ womöglich am Arm selbst, positiv auf die Flugeigenschaft des Bumerangs!
  • Da in meiner Anordnung der Schlitze überwiegend der Arm 2 geschlitzt ist, der sowieso durch die "vorverwirbelte" Luft des Armes 1 fliegt, übernimmt der Arm 1 die Aufgabe der Rotationsimpulserhaltung, während der Arm 2 durch die Schlitzverwirbelungen die "vorverwirbelte" Luft durchschneidet.
  • Der dadurch am Arm 2 entstehende luftverwirbelungsbedingte Abbremseffekt wirkt sich zunächst am Arm 1 beschleunigend aus!
  • Das Nachlassen der Rotation scheint parallel zum Nachlassen der Vorwärtsbewegung schneller als bei nicht geschlitzten zu erfolgen, bei gleichzeitig senkrechter werdenden Rotationsachse, was sich durch "in den Schoß fallen" bei 30 bzw. 40 m Bumerangs ganz deutlich zeigt!
  • Je mehr Schlitze desto deutlicher die vorgezeigte Eigenschaft!
  • Schlitze in Verbindung mit Höhlungen erhöhen den geschilderten Effekt.
  • Schlitze am Arm 1 wirken sich deshalb "negativ" bezogen auf das von mir Gewollte aus, weil Arm 1 leichter wird, Verwirbelungen an dem durch nicht verwirbelte Luft fliegenden Arm entstehen und nun beide Flügel irgendwie mit Verwirbelungen verstärkt zu tun haben.
  • Bei nachlassendem Wind oder Windstille oder bei Einsetzen geringerer Wurf + Rotationskraft Schlitz(e) von unten zu kleben mit glattem Isolierband. Er behält dann die Flugeigenschaft der offenen Schlitze bei!
  • Schlitz(e) von oben zugeklebt bewirken, daß der Bumerang mehr floatet!
  • Schlitze von oben und unten zugeklebt bedeuten, daß der Bu. wie ein ungeschlitzter fliegt, ähnlich wie bei einem Bumerang, der einen leichteren Arm (geschlitzten) und einen schwereren Arm (ungeschlitzten) hat!
  • Die Schlitztechnik funktioniert in allen Holzstärken, die größten Erfolge erzielt man in 3 mm, 4 mm und 5 mm Holz!
  • Schlitze in nicht gehöhlten Bumerangs wirken sich als Einzelschlitze in Verbindung mit einrahmenden Löchern positiv auf die Rotation bei floatenden Wurfhölzern aus!
  • Bei MTA´s ein Schlitz unmittelbar am Ellenbogen des Armes 2, meinetwegen so wie ich es handhabe, mit einem Loch davor und einem dahinter, wirken sich sehr stabilisierend gerade auch bei stärkerem Wind aus!
  • Bei gleichzeitigem Gewichten des Armes 1 am Ende des Flügels wird eine wesentlich größere Höhe erzielt. Durch das parallele Leichtermachen des Armes 2 (durch den Schlitz) in Verbindung mit den Luftverwirbelungen, wie vor geschildert, "steht" der MTA in wesentlich kürzerer Zeit auf der Stelle rotierend!
  • Durch zusätzliches vorsichtiges Höhlen wird bei gleichem Bumerang die Sinkgeschwindigkeit wesentlich verringert!
  • MTA´s die vorher zwar sehr hoch geflogen sind, dann aber abkippen bzw. anders herum drehen, verspüren weniger den Drang zu den geschilderten unangenehmen Eigenschaften!
  • Sollte durch die Höhlung der MTA´s eine deutliche Rotationsverringerung eintreten, dann sind die Flügel zu schmal!
  • Bei Dreiflüglern (Fast Catch) wirken sich Schlitze äußerst stabilisierend aus. Dabei ist zu beachten: Je weiter die Schlitze zum Zentrum hin zeigen, desto schneller ist der Bumerang. Je weiter nach außen desto langsamer und windstabiler ist das Wurfholz.

Zum Abschluß möchte ich betonen, daß ich zwar unheimlich viel von Schlitzen weiß und deren Auswirkungen auf diverse Flugeigenschaften, aber nach wie vor das Gefühl habe, noch total am Anfang der "Schlitztechnik" zu sein. Dies wird dadurch belegt, daß ich noch keine Gelegenheit hatte, Schlitze am Arm 1 oder an beiden Armen eingehender zu untersuchen, weil allein die Entwicklung über Arm 2 noch lange nicht abgeschlossen ist und es hier für mich noch viel zu untersuchen gibt!
 
Auch mögen mir die kritischsten "Profi´s" unter Euch verzeihen, wenn die eine oder andere Schlußfolgerung von mir fachtechnisch wissenschaftlich nicht einwandfrei belegbar ist, vielleicht sogar den Protest einiger hervorrufen wird!
 
Dies ist mir aber egal, bei mir funktioniert es auf jeden Fall und ich bin total davon überzeugt, so daß ich auch weiterhin in "Schlitzen machen" werde!
 
Zum Schluß noch einige Anmerkungen:
 
Geschlitzte Bumerangs sind keine Wunderhölzer. Sie sind auch "nur Bumerangs"! Ich habe weder einen Fast Catch, der 18,5 Sek. schafft noch MTA´s, die permanent um die Minutengrenze fliegen (noch nicht!!). Es ist jedoch nach wie vor verblüffend, wie scheinbar "unlogisch" und den "allgemein anerkannten Regeln der Bumerangbaukunst" widersprechende Anordnung von Schlitzen Flugeigenschaften hervorbringen, die nicht vorhersehbar waren und sinnvoll eingesetzt, durchaus ernstzunehmende wettkampftaugliche Baumerangs ergeben!
 
Ich stehe gern für weitere Detailfragen zur Verfügung und werde bei Bedarf in einer der nächsten "Bumerangwelten" Bauanleitungen für "Typische Geschlitzte" veröffentlichen! Bis dahin viel Spaß beim Probieren und bis bald.
 
M.H.R. Adam (Der Schlitzer)
 
Adam Müller
Dr. Fr. Gontermannstr.15
6200 Wiesbaden-Naurod

 
   
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