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Workshop im Horniman Museum
 
Im Süden Londons liegt ein ehrwürdiges Gebäude, das ein vielseitiges Museum beherbergt: Das Horniman-Museum. Vielseitig meint eine Vielfalt gut ausgewählter Exponate, die einen weiten Überblick über sehr viele Wissensbereiche bieten. Eine ideale Stätte für Schulklassen. Kein Wunder also, daß im Horniman eine erfreulich aktive Museumspädagogik betrieben wird. Einer Zufallslaune ist es zu verdanken, daß schon früh Frau Dr. Elizabeth Goodhew als Bumeranginteressierte auf die Idee kam, mal einen Workshop - natürlich mit anschließender Erprobung der gebastelten Erzeugnisse - durchzuführen. Die im vorigen Jahrzehnt noch recht aktive Bumerangszene von der BBS (British Boomerang Society) klinkte sich ein. So wurden die oft zweimal jährlich durchgeführten Workshops zu einem In-Treff in England.
 
Mit diesen Vorinformationen im Hinterkopf und der freundlichen Einladung von John Wray in der Bumerangtasche machte ich mich in meinen Herbstferien nach London auf. John ist Schulrat, und er hat sozusagen dienstlich mit dem Horniman zu tun. Wir hatten uns in Treignes beim Wurfkeulenschmeißen kennen gelernt.
 
Samstag. Im Museum frage ich mich durch. Ich höre und rieche Bumerangwerkeln. Auf dem Parkett eines Vortragssaales sind ein gutes Dutzend Werkbänke aufgestellt. Aus Goldrahmen an den Wänden staunen Herrschaften aus den letzten Jahrhunderten über das emsige Tun zu ihren Füßen.Eine ausreichende Anzahl etwas groß dimensionierter Rohlinge und Werkzeug liegt bereit. Das Publikum ist in der Tat bunt gemischt: jung und alt, alle Hautfarben und jedweder Herkunft. Ein Reporter eines Londoner Lokalsenders hat mich sofort im Griff, bis mich die kleine resolute Elizabeth erlöst und ich mit Stephen Thomas von der BBS fachsimpeln kann. Stephen quetscht mich auch gleich nach Erfahrungen mit Naturholzbearbeitung aus. Recht bald tauschen wir Ellenbogen. Die Neulinge schleifen unermüdlich und nehmen gerne Tips an. Nach entsprechenden prüfenden Blicken werden die Gerätschaften zum Probeflug zugelassen. Wie sollte es anders sein? Natürlich bläst es im angrenzenden Park höchst anfängerunfreundlich. Glücklicherweise läßt der Wind etwas nach, und wir können mit strahlenden Gesichtern der Newcomer zur Manöverkritik in die Cafeteria des Museums eilen.
 
John Jordan ist eigens aus Mittelengland angereist. Er ist der Vereinsarbeit sichtlich überdrüssig und möchte gerne erreichen, daß die Aktivitäten und die Informationsverbreitung an die jüngere Generation übergeht. Ich werde nach dem Geheimnis gefragt, wie denn der gut zehnmal größere DBC es schaffe, seine Leute zusammenzuhalten und zu informieren. Nun ja, von alleine geht´s halt nicht; irgendjemand muß sich schon verantwortlich fühlen.
 
Sonntag. Mit Stadtplan und Bumerangtasche mache ich mich zu einem Park auf, wo nun das muntere "Throw-in" ausgetragen werden soll. Tatsächlich finde ich ein Grüppchen vor. Kinder, die entweder beim Workshop waren oder durch Peter Harding dorthin gelockt worden waren und einige unerschrockene Erwachsene so auch David und Veronica Jones aus Kent. Die beiden möchten schon gerne die Britische Szene aus dem Winterschlaf wecken. Sie verzieren vorgefertigte Bumerangs und handeln ein wenig damit.
 
John Wray übt noch ein wenig mit den Kindern, bevor sie den Wettkampf eröffnen. Es sind leider nicht viele Erwachsene gekommen, was aber intensiv zum geselligen Teil der Veranstaltung beiträgt. So können wir ausgiebig fachsimpeln. Peter zeigt mir Dreiflügler aus abenteuerlichen Schichtungen: Furnier, Papier, Baumwolle usw. abwechselnd mit Epoxid verleimt. Dem Inhalt der Taschen sehe ich an, daß durchaus Bumerangs vom Kontinent ihren Weg auf die Insel gefunden haben. Die klingenden Namen der deutschen Szene sind sehrwohl vertreten. Der Wettkampf wird heiter und humorvoll aber dennoch regelgemäß durchgeführt. Zuschauer akzeptieren die Absperrung und fragen interessiert und gezielt. Wie überall in der Welt sind sie bei uns Bumerangfreaks natürlich in besten Händen. Es gibt Urkunden und symbolische Preise. Tatsächlich kreist auch noch irgendwann ein Fläschchen Wein.
 
Ich wünsche unseren Britischen Bumerangfreunden, daß sie tunlichst zu ihrer guten alten Boomerang Society zurückfinden.
 
em

 
   
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