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Jonas Romblad
Space Age MTAs
MTAs aus Verbundwerkstoffen
 
Teil 1

 
Was ist schlecht an Sperrholz?
Nun, grundsätzlich nichts, aber mich stören MTAs, die ihr Tuning nicht behalten. Das Problem bei Holz-Bumerangs ist, das sie 'arbeiten', aber was soll man erwarten, Holz ist ein lebendes Material! Birke, zum Beispiel, schrumpft bis zu 14% beim Trocknen. Dieses Problem wurde mir so recht deutlich bei meinem Besuch in den USA 1989. In Schweden hatten wir zum Zeitpunkt meiner Abreise ungefähr 20 Grad Celsius und ziemlich trokkene Luft. Ich wechselte in die wesentlich feuchtere und kühlere Luft im Flugzeug und kam in New York bei (für schwedische Verhältnisse) saunaartigem Wetter an. Es war mindestens 5-10 Grad wärmer und derartig feucht das ich summte 'Singin´in the rain' -und meine hölzernen MTAs flogen total verrückt.
Im Ernst, ich habe wirklich Probleme mit der Wetterfühligkeit meiner hölzernen MTAs, nicht nur in so extremen Situationen wie eben beschrieben. MTAs neigen außerdem dazu, sich beim Transport oder bei längerer Lagerung zu verziehen. Oder bin ich der Einzige, der nach dem Winter seinen Lieblings-MTA herausholt und feststellt, daß er überhaupt nicht mehr fliegt?
Also dachte ich darüber nach, MTAs aus irgend einem 'toten' Material zu bauen. Da mir verschiedene Leute erzählt hatten, ein MTA muß bei jeder Gelegenheit nachgebogen werden, um an die Wetterverhältnisse angepaßt zu werden, entschied ich mich, einen Satz von guten Bumerangs zu bauen, fünf oder so, jeder mit seinen speziellen Eigenschaften. Damit könnte ich dann zu einem Wettkampf gehen, mir das Wetter ansehen und einen Bumerang mit den nötigen Eigenschaften aus der Tasche ziehen. Hört sich gut an, oder?
Erst einmal mußte ich ein Ersatzmaterial für Holz finden. Da Holz, verglichen mit anderen Materialien, sehr fest und leicht ist, stellte ich schnell fest, daß ich eine Kombination verschiedener Materialien benutzen mußte, um die Eigenschaften von Birkensperrholz zu erreichen. Wenn man sich ein Stück Holz sehr genau ansieht, sieht man, daß es aus einer großen Anzahl von Fasern besteht, die durch irgend ein Füllmaterial ('matrix material') zusammengehalten werden. Ich hielt daher es für eine gute Idee, eine Kombination aus leichten und festen Materialien zu verwenden um die Vorteile von beiden zu nutzen.
 
Festigkeit
Der Bumerang muß Biegung und Verdrehen aushalten können. Das ist ein entscheidender Grundsatz für die Wahl der Materialien. Gerade die Drehkräfte werden nur zu gerne vergessen. Also, machen wir erst mal eine Liste von festen Materialien, die ohne große Umstände zu verarbeiten sind (das schließt zum Beispiel Metall und Keramik aus).
- Furnier (Harthölzer)
- Glasfaser
- Kohlefaser
- Kevlar.
Alle diese Materialen sind schwerer als Sperrholz. Wenn aber nur die Bumeranghülle daraus hergestellt wird und der Kern aus leichtem Material ist, kann man so einen Bumerang erhalten, der viel fester aber nicht schwerer als ein Sperrholzbumerang ist.
Faserwerkstoffe sind nur in einer Richtung fest - in Längsrichtung. Um auch eine ausreichende Dreh- und Biegefestigkeit zu bekommen, müssen einige Fasern 45 Grad quer zum Arm, andere längs mit dem Arm verlaufen.
 
Geringes Gewicht
Die einzige Aufgabe des Kerns ist es, den Hohlraum zwischen den äußeren Schalen auszufüllen. Er muß nicht besonders fest sein. Styropor oder Balsaholz würden diesen Zweck erfüllen, wären bei meiner Herstellungsmethode aber ungünstig zu verarbeiten. Ein anderes leichtes Material wird 'microballoons' genannt. Dies sind kleine, mit Gas gefüllte Blasen aus Glas (weiß) oder einem Phenol-Kunststoff (braun), die wie ein feines Pulver aussehen und so leicht sind, daß man denkt, der Topf ist leer (vorsichtig öffnen!).
 
Füllmaterial
Wir haben nun also ein Stück Kevlar-Gewebe, Kohlefasern und dieses weiße Pulver auf der Werbank zu liegen. Wie soll man diese Materialien zusammen bekommen? Wir brauchen ein Verbindungsmaterial ('matrix material') dafür.
Ich habe zwei verschiedene ausprobiert: Epoxyd- und Polyesterharz. Epoxydharz scheint mir am besten geeignet zu sein, außer man muß sehr viele Bumerangs in kurzer Zeit herstellen. Polyester ist etwas spröder, der Geruch ist stark und gefährlich und das Mischungsverhältnis von Harz zu Härter muß genauer eingehalten werden. Epoxydharz sollte langsam aushärten (12-24 Stunden). Vorsicht vor temperaturempfindlichen, gummiartigen Sorten, die für die Surfbrett-Herstellung werdet werden. Surfbretter müssen schlagunempfindlich sein, MTAs müssen fest und hart sein! Polyester wird meist härter als Epoxy, es treten aber keine Risse beim Gebrauch auf.
 
Mit oder ohne Form ('To mold, or not to mold')?
Ich habe solche Verbund-MTAs in Formen und freihändig gebaut und ich kann euch sagen, eine gute Form herzustellen ist wirklich die viele Arbeit wert. Es kommt aber natürlich darauf an, welche Materialen für den Bumerang verwendet werden sollen.

Herstellung ohne Form
Macht euch einen Kern aus einem leichten Material (Balsaholz, Styropor etc.) und klebt das feste Material darüber. Man kann Furnier mit Weißleim verwenden (siehe letzte Ausgaben der Bumerang Welt). Einige Lagen Kohlefasern unter dem Furnier erhöhen die Stabilität enorm. Kohlefasern mit Epoxydharz direkt auf den Kern geklebt ergibt meist einen zu schweren Bumerang weil der Kern das Harz aufsaugt. Und es ist schwer, eine glatte Oberfläche zu erhalten.
 
Jonas Romblad
Annebergsvägen 32
136 66 Haninge
Schweden

(Übersetzung: gb)
 
In der nächsten Ausgabe beschreibt Jonas ausführlich die Anfertigung der Form und wie ein MTA in dieser Form hergestellt wird.
gb

 
   
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