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Jonas Romblad
Space Age MTAs
MTAs aus Verbundwerkstoffen
-Teil 2-

 
Anfertigung der Form
 
Die Herstellung einer Form ist gar nicht so schwer. Ich habe einfach das hölzerne Vorbild meines MTAs auf eine sphärisch ausgeformte Pertinaxplatte gelegt (man kann auch ein anderes Material nehmen, welches sich polieren läßt und das Harz nicht aufsaugt), eine 1 cm dicke Schicht Polyester-Spachtelmasse aufgetragen und das Ganze mit einer Sperrholzplatte abgedeckt. [Die sphärisch geformte Pertinaxplatte hat Jonas hergestellt, indem er eine Schleifscheibe - Schleiffläche nach unten - an einem 3 m langen Stahlseil über der Platte aufgehängt hat. Die beim Schleifen erzeugte Vertiefung erhält dadurch die Form eines Kugelsegments mit 3 m Radius. -gb-] Der Muster-Bumerang und das Unterteil der Form müssen unbedingt gewachst oder mit einem speziellen Trennmittel behandelt werden, damit sich alles hinterher gut lösen läßt.
Diese Kunststoff-Spachtel-Form ist ausreichend für die Herstellung von 10-30 Bumerangs, je nach Profil und Beanspruchung der Form.
 
Eine bessere und wesentlich haltbarere Form kann man aus Epoxid-Harz und Glasfasern herstellen.
Ich habe zuerst meinen besten MTA genau ausgemessen und auf einer Holzplatte Hilfsstützen angebracht, die genau mit der Unterseite des Bumerangs übereinstimmten. Dann baute ich einen 'Mutter'-Bumerang aus 2mm Aluminium und polierte die Oberseite (man kann jedes andere polierfähige Material verwenden). Der Alu-Bumerang muß mehrfach mit Trennwachs eingestrichen werden!
Auf die Unterseite habe ich eine dünne (ca. 0,1mm) Plastikfolie geklebt, die überall etwa 1-2 cm größer als der Bumerang sein muß. Darauf kamen dann noch mehrere kleine Holzstücke zur Versteifung in der Breite der Plastikfolie. Der Bumerang samt 'Kragen'wurde nun auf die Stützen der Holzplatte geleimt, wodurch er genau das Tuning des Originals erhielt. Das Ganze wurde nochmal mit Trennmittel eingestrichen.
 
Nach dem Trocknen beginnt der langwierige Aufbau der eigentlichen Form mit zwei dicken Lackschichten (hier gibt es im Modellbau-Bedarf geeignete Lacke). Ich hatte mich entschlossen, die Form aus einer 1cm dicken Schicht Epoxidharz und Glasfasern aufzubauen. Das muß schrittweise in vielen dünnen Einzelschichten erfolgen. Damit die Form sich nicht verzieht, habe ich zusätzlich Versteifungen aus Metallprofilen in Bumerangform hergestellt und in die letzte Schicht mit eingegossen. An den Enden und am Ellbogen müssen sie über den Rest der Form herausragen (siehe Abb.).
 
Wenn alles getrocknet ist wird die Form umgedreht und der Alubumerang samt Unterbau herausgenommen. Nachdem kleine Fehler (Luftblasen etc.) ausgebessert sind, muß das fertige Oberteil der Form mehrfach gewachst werden.
Nun wird der Alubumerang vom Unterbau gelöst. Auf seine Unterseite werden zwei Schichten dünne, selbstklebende Folie geklebt. Das Ganze wird mit Trennwachs behandelt und zurück in die obere Formhälfte gelegt. Nochmals Trennmittel über die Unterseite (Plastikfolie) und Formoberteil streichen. Um die Form herum wird ein Rand aus Klebeband angebracht, damit das Harz nicht an den Seiten herunterläuft. Dann kann die untere Formhälfte genau wie die obere aus Epoxidharz und Glasfasern Schicht für Schicht aufgebaut werden.


Die beiden Hälften dürfen nicht sofort getrennt werden. Erst müssen Löcher für die Paßstifte durch die Versteifungsprofile gebohrt werden. Ich habe hierfür lange Schrauben mit Flügelmuttern verwendet, die gleichzeitig zum Zusammenpressen der Formhälften dienen (siehe Abb.).
Nun kann die Form getrennt, der Alubumerang herausgenommen und die Arbeit bewundert werden. Die beiden Schichten Klebefolie haben in der unteren Formhälfte einen ca. 0,1 - 0,2 mm tiefen Abdruck hinterlassen, der verhindert, daß die Fasern später beim Zusammenpressen verrutschen.
 
Wie man die Form benutzt:
Wenn ich einen MTA mit meiner Form herstellen will, wachse ich zuerst beide Hälften und streiche sie mit Trennmittel ein. Eine neue Form muß mindestens 3 mal gewachst werden. Dann lege ich die Fasern (Kohlefaser bzw. Kevlar) in beide Hälften und streiche Epoxidharz mit einem Pinsel darüber. Um die Harzmenge so gering wie möglich zu halten, lege ich meistens eine dünne Plastikfolie über jede Hälfte, einen Styropor-Klotz dazwischen und presse das ganze Gebilde zusammen. Dieser Vorgang muß ggf. mehfach wiederholt werden. Wenn die so entstandenen Schalen ausreichend dick sind, mische ich die 'micro balloons' mit Epoxidharz bis sich eine Masse ähnlich Schlagsahne gebildet hat. Damit fülle ich die Formhälften und füge sie zusammen.
 
Wenn alles getrocknet ist, kann der Bumerang aus der Form genommen werden. Die Kanten müssen etwas nachbearbeitet werden (Naßschliff schützt vor Gesundheitsschäden)!
 
Mann kann auch die Schalen ca. 3 Stunden trocknen lassen (oder bis das Harz wie dicker Sirup geworden ist) und sie dann sofort füllen. Dies ist die schnellste Methode.
 
Tuning:
Die meisten Leute machen ein komisches Gesicht, wenn ich ihnen erzähle, daß ich meine MTAs mit Hammer, Nägeln und einer Heißluftpistole tune. Aber es ist gar nicht so brutal wie es sich anhört.
Zu meiner Überraschung fand ich heraus, daß sich Epoxid- und Polyesterharze tunen lassen, wenn man sie auf 60-80 Grad erhitzt (man kann sie dann nicht mehr anfassen) und in der gewünschten Form fixiert. Immer nur eine Seite erhitzen, sonst kann sich die Schale vom Kern lösen! Hammer und Nägel werden gebraucht, um den Bumerang in der richtigen Form zu halten.
Um mehr dihedral zu bekommen, lege ich den Bumerang mit der Oberseite nach unten auf eine ebene Fläche und beschwere Ellbogen und Flügelenden mit Gewichten (Hammer oder anderer schwerer Gegenstand). Dann lege ich zwei sehr große Nägel unter jeden Arm und verschiebe sie, bis ich das gewünschte Maß an dihedral erreicht habe. Dann erhitze ich die Arme, in der Mitte mehr, Richtung Ellbogen/Flügelenden weniger. Niemals nur einen Nagel (oder was immer ihr unterlegt) verwenden, sonst erhält der Arm einen scharfen V-förmigen Knick.
 
Und nun? Was bringt das alles? Kann ich Rekordbumerangs in großen Mengen herstellen, oder habe ich eine Menge Zeit (aber zum Glück wenig Geld) verschwendet?
Meiner Meinung nach funktioniert die Methode sehr gut. Die Bumerangs aus der Kunststoff-Spachtel-Form waren alle ziemlich verzogen. Aber die neue Glasfaser-Form ergab sehr schöne Bumerangs die alle mindestens 30 Sekunden fliegen, deutlich besser als meine Sperrholzbumerangs und vor allem mit beständigem Tuning!
Die Herstellungsmethode eignet sich nicht für Massenherstellung. Der ganze Prozeß ist so zeitaufwendig, daß man höchstens einen Bumerang pro Tag herstellen kann.
 
Kurz gesagt: Ich habe wonach ich gesucht hatte: Wetterfeste MTAs, stabiler als Sperrholz und formstabil. Ich hatte eine Menge Spaß beim Experimentieren mit neuen Materialien und Techniken. Sollte jemand meine Methode ausprobieren wollen, würde ich mich freuen, von ihm/ihr zu hören. Wenn größeres Interesse besteht könnte ich noch weiter auf die Einzelheiten in einem weiteren Artikel eingehen. Schreibt an den Editor [damit bin ich gemeint -gb-] wenn ihr hier mehr darüber lesen möchtet. Zögert nicht, mir ein paar Zeilen (Englisch bitte!) zu schreiben.
 
Jonas Romblad
Annebergsvägen 32
136 66 Haninge
Schweden

 
Für Computer-Besitzer: Jonas ist auch per Electronic Mail über das FIDO-Net zu erreichen. Seine Adresse lautet 2:201/111.42 (Capital City BBS Haninge). Übrigens bin auch ich auf diesem Wege unter 2:2403/12.3 ansprechbar. Vielleicht entwickelt sich ja ein "elektronischer Gedankenaustausch"?
gb

 
   
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