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Bumerangoberflächen
 
Es ist schon viel über die Gestaltung von Bumerang-Oberflächen geschrieben worden: Kannelierung, Spoiler, Schlitze o.ä. Die hier beschriebene Struktur ging mir schon lange im Kopf herum: Sie sollte 'golfballgenau' sein. Aber was erhoffte ich mir eigentlich davon? Sicherlich sehr vage einen höheren Auftrieb; aber der spätere Praxistest sollte noch mehr bringen. Gab es wirklich mehr?
 
Nach ersten Überlegungen war der zu erprobende Typ ausgewählt: ein El Condor - MTA sollte es sein, 10% größer als der Plan von Gorny/Schlegel. Als zusätzliches Werkzeug benötigte ich noch eine biegsame Welle für die Bohrmaschine und einen 5 mm starken Kugelkopffräser.
Nun konnte ich mit der Ausformung der Oberfläche beginnen. Die biegsame Welle erwies sich dabei als besonders praktisch, weil man sie am Ende des Bohrfutters wie ein Schreibgerät führen konnte. Allerdings gab es Schwierigkeiten, weil die Tourenzahl der Bohrmaschine zu gering war. Aber ich gewöhnte mich daran und konnte es schaffen.
 
Als sich im Februar 92 die Werfergruppe Saar traf, zog ich behutsam meinen 'Golf-El Condor' aus dem Strumpf; allgemeines Staunen, genaues Betrachten und ausgiebige Diskussionen waren die Folge. Ein erster Probewurf schien den Eindruck zu bestärken, daß das Gerät guten Auftrieb erzeugt. Leider mußten wir wegen schlechten Wetters abbrechen.
Nach einiger Zeit waren MTA-Würfe wieder möglich. Aber der Traum vom Golfballoberflächen-MTA war nur kurz: Bei einem kräftigen Abwurf zerbrach mein Traum.
 
Jetzt wurde mein Ehrgeiz stärker. Jetzt wollte ich ein 5 oder 6 mm Gerät bauen . Der 'Ikarus' von Axel Heckner stand Pate für den zweiten Versuch. Diesmal stand mir eine Modellbau-Bohrmaschine mit bis zu 50 000 Touren zur Verfügung.
Die Oberfläche des Rohlings wurde zuerst mit Porenfüller behandelt, damit der Fräser nicht so stark reißt. Dann vergrößerte ich ein mit Quadraten versehenes DIN A4-Blatt auf DIN A3, fixierte es auf der Oberfläche und markierte jeden Kreuzungspunkt mit einem Nadelstich.
Nun begann die Fräserei, wobei schon bald die Biegewelle so heiß wurde, daß ich das Futter nicht mehr anfassen konnte.
Ohne Probeflug wurde das Gerät lackiert, dann rauf auf die Wiese. Erster Wurf: Absturz, Wurfarm noch zu kalt. Zweiter Wurf: Super! Rundflug erkennbar - bis zu dem Heuwagen mit Gitteraufbau, der auf der Peripherie stand. Krach, Abbruch, anderen Abwurfstandort suchen, dritter Abwurf: Vorzüglich! Danach habe ich noch manchen Ikarus und auch andere Formen für die Golfballoberflächenstruktur gebaut.


Fazit: Er ist äußerst windresistent, sehr schnell und fordert häufig Lob heraus.
 
Ich wünsche allen, welche die Mehrarbeit des Fräsens nicht scheuen: Probiert es einmal und wünsche dann
 
Many Happy Returns
 
Martin Fothke
Kossmannstr. 20
6600 Saarbrücken 1

 
Kannelierung
 
Zufällig habe ich wohl zur gleichen Zeit wie Martin mit Oberflächenstrukturen experimentiert. Allerdings nicht mit der 'Golfball-Struktur' sondern der altbekannten Kannelierung. Eine so bearbeitete Oberfläche findet man bei vielen australischen Jagdbumerangs, meist nur an der Oberseite, beim Hakenbumerang auch beidseitig. Ob das aus Gründen der Aerodynamik oder nur zur Verzierung geschah, ist bisher nicht erwiesen. Doch zurück zu meinem Experiment.
 
Ich hatte eine Reihe gleicher Fast-Catch-Dreiflügler aus 6mm Polypropylen gebaut, um verschiedene Tuningmaßnahmen zu vergleichen (Gewichte, Löcher etc.). Da ich kurz vorher einen schönen kannelierten Bumerang aus Australien erworben hatte, kam mir die Idee, das einmal bei einem unserer Sportgeräte zu probieren. Ich benutzte dazu ein 6mm breites Hohleisen. Es ging leichter als ich dachte - nach etwa einer halben Stunde hatte ich es geschafft.
Die ersten Flugtests begeisterten mich: Das kannelierte Gerät flog tiefer, schneller und windstabiler als das Vergleichsmodell. Außerdem war es wesentlich toleranter gegen Wurffehler, bei zu starkem Abwurf zischte es mir nicht (wie üblich) über den Kopf, bei zu schwachem Wurf stürzte es nicht ab, sonder 'eierte' irgend wie noch zu mir zurück. Und: Die gerillte Oberfläche gewährleistet einen bombensicheren Griff, auch mit nassen Fingern.


Also probierte ich die Technik an einem weiteren Modell aus, dem in BW#3/91 vorgestellten Reversi. Da es sich um einen gleichseitigen Bumerang handelt (Ober- und Unterseite gleich) habe ich beide Seiten kanneliert. Das Ergebnis war enttäuschend. Er flog wie eine 'bleierne Ente', sehr weit geradeaus mit anschließendem Absturz. Na gut, dachte ich mir, die Aborigines haben ja auch meist nur eine Seite kanneliert. Also schliff ich eine Seite wieder glatt. Danach flog das Gerät leidlich aber deutlich schlechter als das glatte Vorbild. Es ist übrigens egal, ob man ihn mit der kannelierten Seite nach oben oder unten wirft -die Änderungen der Flugbahn sind nicht signifikant. Im Gegensatz zu dem Original mit glatter Oberfläche fliegt das Gerät weiter, weniger kreisförmig (eher hin und zurück) und verliert schnell die Rotation.
Merkwürdig, vor einigen Jahren hatte ich einen Natural Elbow mit kannelierter Oberfläche gebaut, der trotz 8mm Stärke ein absoluter 'Super-Rotierer' ist.
 
Um auf für diese scheinbaren Gegensätze eine Antwort zu finden, müßte man wohl weitaus mehr Tests vornehmen. Ich habe bisher keine gefunden. Sicher ist: kannelierte Bumerangs lassen sich besser greifen und sind windstabiler. Die Abmessungen der Kannelierung (Breite/Höhe) und die Ausarbeitung der Profilnase scheinen mir wichtige Faktoren zu sein.
gb

 
   
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