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Axel Heckner

Pertinax-Langzeitflieger

Eine Bauanleitung für Pertinax-MTAs wollten wir schon lange bringen und hatten verschiedene Spezialisten um einen Artikel gebeten. Axel Heckner hat sich nun erweichen lassen, und uns gleich mehrere Baupläne zur Verfügung gestellt. Besondere Anerkennung verdient auch, daß er uns endlich ein einprägsames deutsches Gegenstück zur Abkürzung 'MTA' beschert hat (was längst überfällig war): LZF!
Bei dem dritten Bauplan Quirl sind bei mir alte Erinnerungen wach geworden. Vor etwa vier Jahren hatte ich eine fast identische Form (aus Sperrholz) entwickelt die zu einem (unveröffentlichten) Artikel mit dem Titel 'Was macht einen Bumerang zum MTA?' führte. Tatsächlich hat ein Krümmen der Arme in der gezeigten Weise den gleichen Effekt wie ein verlängerter erster Arm, was deutlich wird, wenn man einmal den Schwerpunkt einzeichnet und die Stellung der Flügelenden zu diesem betrachtet. Ich habe das nicht weitergeführt, weil bei 3mm Sperrholz ein Arm zwangsläufig zu 'wabbelig' wurde. Meine Entwickelungen führten damals zu dem in BW II/89 veröffentlichten Bauplan New Wave MTA. Mit diesem Gerät hatte ich meinen ersten >1min-Flug und auch den ersten Erfolg beim Supercatch.
Ich stimme mit Axel überein, daß Flüge im Bereich um 30s durchaus auch mit Mehrflüglern oder symmetrischen Zweiflüglern möglich sind. Die 'Superflugzeiten' bei idealem Wetter sind meiner Meinung nach allerdings nur mit Hockeystick-Varianten (die Quirl/New-Wave-Form gehört dazu) möglich. Ich lasse mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen.
Nun lassen wir aber Axel zu Wort kommen.
gb
 
Die Redaktion der Bumerang Welt hat mich aufgefordert, einen Bericht über Langzeitflieger aus Pertinax zu schreiben; wohl weil ich derjenige war, der die ersten erfolgreichen Modelle auf den Markt gebracht hat. Die erste Anregung kam 1989 auf der EM von Volker Behrens; vorher hätte ich überhaupt nicht in Erwägung gezogen, dieses Material zu verwenden.
 
Im Unterschied zu den Holzteilen fliegt Pertinax weiter, höher und kommt schneller runter. Damit sind diese LZF geradezu maßgeschneidert für MTA100. Und nicht nur nebenbei ist es einfach ein toller Anblick, wenn der LZF einen 50-60m großen und 40-50m hohen Bogen beschreibt und sich dann punktgenau stabilisiert. Die Flugzeiten liegen etwa bei denen guter Holzteile; sie sind aber gewissermassen eingebaut. Durch das relativ hohe Eigengewicht werden Turbulenzen geschluckt und es besteht kaum Gefahr von Rotationsverlust. Nachteile der Pertinax-LZF sind der oft recht schwer zu findende richtige Wurf, die manchmal weiten Wege beim Holen eines abgestürzten LZF und der gefährliche Einschlag bei mißlungenen Würfen.
 
Wie für meine Holz-LZF verwende ich leicht gekrümmte Formen. Dies erhöht den Arm 2 - Effekt. Das ist notwendig, da im Vergleich zu Holz sich das Verhältnis Materialdicke zu Flügelbreite verringert. Dadurch segelt der Bumerang mehr und legt sich z.B. früher flach. Inzwischen sind allerlei Varianten dieser gekrümmten Urform im Umlauf während man geradlinige Ted Bailey - Formen bei Pertinax-LZF kaum noch antrifft.

  Korrektur in Ausg. 4/93!
Für stärkeren Wind verwende man eine 2mm-Version mit möglichst wenig Hinterkantenprofil und wenig Längsbiegung. Der Abwurf erfolgt dann mit maximaler Rotation und ausreichend Krfat. Der LZF fliegt weit nach vornre, stabilisiert sich möglichst noch vor dem Abwurfort und wird dann allmählich nach hinten weggetrieben. Für weniger Wind genügt die 1,5mm-Version, die nicht so weit wegfliegt, dafür aber länger schwebt. Wer bei korrektem Wurf kein stabiles Schwebeverhalten erzielt, sollte überprüfen, ob die Vorderkante insbesondere von Arm 2 nicht zu spitz geraten ist.
Nun zu einigen Neuentwicklungen. Es gibt nämlich zwei unbezweifelbare Wahrheiten:
 
1. Stabile LZF haben immer einen längeren Arm 1 und einen kürzeren Arm 2.
2. Die Erde ist eine Scheibe, wahrscheinlich sogar ein Frisbee.
Jedenfalls kann man auch LZF bauen, die zwei oder gar drei völlig gleiche und insbesondere gleichlange Flügel haben. Eine besondere Hilfe bei der Entwicklung dieser und anderer Novitäten war für mich Pertinax in 1,5mm Stärke. Inzwischen gibt es:
 
24-Sekunden-Dreiflügler (nicht perfekt stabil),
 
LZF mit zwei gleichen, gleichmäßig gekrümmten Flügeln,
 
LZF mit auslaufend (spiralig) gekrümmten Flügeln in Holz und Pertinax (ca. 28s),
 
LZF mit verschieden gekrümmten Flügeln (ca. 30 bis 34s).
 
Vorstellen möchte ich hier den Quirl, der mir besonderen Spaß bereitet hat. Er stabilisiert sich auch noch bei stärkeren Wurffehlern. Flugzeit ist 25-30s, je nach Wurfkraft. Ein besonderes Profil ist nicht notwendig; es genügt ein Anspitzen der Kanten. Man kann auch einen entsprechenden Kreisringausschnitt verwenden. Besonderen Spaß macht es, zwei Quirls zusammen zu werfen.

Quirl
Allgemein möchte ich betonen, daß noch viele andere Formen neben den L-förmigen LZF, die wir Wilhelm Bretfeld verdanken, möglich sind. Wichtig ist allerdings hier das Kriterium der Stabilität. Dieser Begriff wird manchmal etwas mißbraucht oder falsch verstanden. Für mich ist als Definition der Ausgangspunkt ein Gedankenexperiment:
 
Auf einem beliebig hohen Turm bei absoluter Windstille geworfen, schwebt der Bumerang zunächst in horizontaler Lage ohne Vorwärtsgeschwindigkeit.
 
Stabil ist er dann, wenn er horizontal rotierend fangbar landen würde.
 
Nicht stabil ist er, wenn er größer werdende Schraubenlinien beschreibt und letztendlich vertikal rotierend abstürzt.
Ein wichtiges Kriterium liefert hier die Schaukelbewegung, die viele LZF durchführen: Führt der LZF bei einigermaßen stabiler Ausgangslage größer werdende Schaukelbewegungen im Uhrzeigersinn (Rechtshänder) durch, so ist er nicht perfekt stabil.
 
Fröhliches Bosseln wünscht
 
Axel Heckner
Wilsonstr. 1
35392 Gießen

 
   
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