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Erfahrungen mit der "Ahorn-Ballastierung" von MTAs
Von Winfried Gorny

 
Nachdem ich Jearl Walkers Aufsatz über die Aerodynamik von Flugfrüchten gelesen hatte, machte ich eine Rotationsanalyse einer Ahornfrucht und versuchte, die Ergebnisse mit meinem "Vulture" (Baumappe 1) zu realisieren: Zwei Kontergewichte auf Arm 2, kurz hinter dem Ellbogen waren jedoch wenig befriedigend.
 
Darauf versuchte ich, die Verdickung durch den Samen an der Ahornfrucht nachzuahmen, indem ich das Kontergewicht an Arm 2 quer zur Längsachse über die gesamte Flügelbreite aufbrachte. (Tiffany-Bleiband mit Sekundenkleber). Als Ausgleich kam zusätzlich ein Bleistreifen ans Ende von Arm 1, kurz hinter und parallel zur Vorderkante.
 
Bei sehr schwachem Abwurf, Neigungswinkel 20 Grad, Aufstiegswinkel 20 Grad, flog der B. in 5 in Höhe 11/2 Kreise und schwebte stabil bis zur Landung. Beim zweiten Versuch mit etwas mehr Kraft Neigungsw. 5 - IO', Aufstiegswinkel gut 30', ging er auf 10 in Höhe, flog drei kleiner werdende Kreise und rotierte stabil, gegen den Uhrzeigersinn drehend, bis zur Landung. Ich steigerte nun die Abwurfkraft und erreichte gezählte 15 bis 20 Sekunden Flugzeit mit zur Rotation gegenläufiger Translation, wie von de Groot beobachtet.
 
Nach nochmaliger gründlicher Lektüre des Walker-Aufsatzes schoß mir der Gedanke durch den Kopf, so etwas wie einen Zwitter aus Bumerang und Ahornfrucht zu schaffen: einen "Maple-Flyer".
 
Seine zentrale Eigenschaft sollte die geringe Entfernung zwischen Druckpunkt und Massenschwerpunkt sein, weil dadurch die Einregulierung auf den jeweils günstigsten Anstellwinkel - nach Walker eine wichtige Voraussetzung für einen stabilen Schwebeflug begünstigt wird. So erhielt der Bumerang, dessen Flügelform ebenfalls der des Ahornflügels angepaßt wurde, nur noch an der Stelle Bleiballast an Arm 1, an der er, auf den ausgestreckten Zeigefinger gelegt, in der Waage bleibt.
 
Schon jetzt ist ein eindrucksvoller Test möglich- Im Zimmer, aus einer Höhe von 2,50 - 3,00 in fallengelassen, beginnt er in waagerechter Lage zu rotieren. Ich vermute, so von einem Hochhaus fallengelassen, wird er nach stabilem Schwebeflug unten waagerecht ankommen.
 
Am 23. Januar konnten wir, d.h. Wilhelm und ich, dann endlich die Stadtparkwiesen nutzen. Die riesige Wiese gehörte uns allein. Ein starker Wind in Stärke 4-6, stark böig, hatte sie leergefegt. Der strömende Dauerregen hatte sie auch unter Wasser gesetzt.
 
Nun - nach einem 70 % Power-Abwurf starrten Wilhelm und ich auf einen Bumerang, der auf etwa 30 in Höhe gestiegen war, einen Kreis von 30 - 40 m Durchmesser flog, dabei auf Böen, die ihn 3 - 4 m senkrecht nach unten und oben bewegten reitend, immer in stabiler Schwebelage, versteht sich. In etwa 80 in Entfernung war Schluß mit der Translation, der B. verlangsamte seinen Weg in Lee, kam in stabilen Kreisen (gegen den Uhrzeigersinn um eine Mittelachse kreisend) herunter. Geschätzte Zeit-, 20 -30 Sek.
 
Wir waren begeistert und beschlossen bei unserem Abschlußgespräch, diese Erfahrungen bekanntzumachen, vielleicht ein neuer Anstoß für die MTA - Fliegerei. Deshalb zum Abschluß die für mich unentbehrlichen Tuning-Hinweise:
 
Arm 1 - Dicht am Gewicht ohne Verdrehung aufwärts. (Flügelende steht bei Druck auf den Ellbogen 2 cm hoch). Die Knickstelle ist die tiefste Stelle der Rotationsschüssel.
 
Der durch die quasi V-Biegung am Arm 2 entstehende negative Einstellwinkel muß durch das verdrehende Anheben der Vorderkante wieder ausgeglichen werden, damit eine insgesamt neutrale Flügeleinstellung erreicht wird. Wenn das Gerät dennoch nach Erreichen der höchsten Stelle taucht, Abwurf verstärken oder Arm 1 etwas mehr aufwärts biegen.
 
Die Flügelenden habe ich so dem Ahornflügel angenähert, daß ich sie von 2 cm ab Flügelende flacher geschliffen habe. Das verringert den Luftwiderstand und verstärkt die Rotation.
 
Winfried Gorny
Berner Allee 28
22159 Hamburg

 
Leserbrief
Günter Möller schrieb uns zu diesem Thema

 
"In der BW I/94 auf Seite 9 war ein Bericht über die Aerodynamik von Flugsamen und ihre Anwendbarkeit auf Bumerang und speziell MTAs. Dazu bleibt zu sagen, das Jearl Walker diese Anwendbarkeit wahrscheinlich nicht als Hauptaufgabe seiner Forschung sah. Weiterhin fällt mir auf, daß die herbeigeredete Ähnlichkeit von Ahornsamen und Bumerangs wohl von niemand bezweifelt wird, oder? Abschließend möchte ich nur noch darauf aufmwerksam machen, daß es wesentlich erfolgreichere Flugsamen als die des Ahorns gibt.
 
Flugfrüchte werden in mehrere Kategorien unterteilt:
Samen mit Flughaaren (z.B. Weidensamen), Samen mit Fallschirmen (z.B. Löwenzahnsamen) und Samen mit Tragflächen. Zu den letzteren zählen nicht nur die Samen des Ahorns, sondern auch die der Ulme und Birke.
 
Weiterhin unterscheidet man die Art des Fluges:
So gibt es Gleitflieger (z.B. Ulmensamen), Schirmflieger (z.B. Weiden- oder Pappelsamen) und schließlich die Schraubenflieger. Zu diesen Schraubenfliegern zählen u.a. die Früchte der Weißbuche, der Ahornarten, der Linde und der Birke!
 
Die Besonderheit der Schraubenflieger ist die die Abwärtsbewegung wesentlich verlangsamende Drehung der Samen. Diese Drehung setzt nach einem freien Fall von ca. 50 cm ein. Der sich in Drehung befindliche Samen kann nun von Wind verblasen werden und findet so eine große Verbreitung. Nun ist die Verbreitung abhängig von besonderen Bau der einzelnen Flugsamen und keinesfalls immer gleich. Besonders zwischen der Flugweite der verschiedenen Baumarten gibt es gravierende Unterschiede.
 
Flugweite verschiedener Tragflächenschraubflieger:
Esche: 25m
Weißbuche: 70M
Tanne: 90m
Ahorn: 90m
Fichte: 310m
Kiefer: 550m
Birke: 1500m
 
Bleibt also die Frage, warum sich jeder um die ach so tollen Flugeigenschaften der Ahornsamen Gedanken macht und nicht einfach das untersucht, was den größten Erfolg verspricht, also die Birkensamen? Wahrscheinlich, weil eh keiner an die Anwendbarkeit der Erkenntnisse der Flugsamenforschung auf die Bumerangtechnologie glaubt! Ich übrigens auch nicht. Nichtsdestotrotz: Noch viele schöne Erkenntnisse wünscht euch...
Günter Möller"
 
Lieber Günter!
Die Antwort liegt doch auf der Hand, Willst Du etwa 1,5km hinter Deinem MTA herrennen? Sicher nicht. Birke scheidet also aus. Aber Ahorn, mit 90m Flugweite, ist doch geradezu ideal (man denke an MTA1OO)!
 
Im Ernst: Ich glaube auch nicht, daß sich aus diesen Überlegungen wesentliche Verbesserungen der MTA-Flugzeiten ergeben. Der Prototyp, den mir Winfried freundlicherweise überlassen hat, fliegt zwar in der Tat sehr stabil. Allerdings habe ich sowohl MTAS, die länger fliegen, also auch welche, die mehr Wind vertragen.
 
Immerhin, einen MTA, der, fallen gelassen, selbst zu rotieren anfängt, also echte Autorotation beherrscht, versuche ich schon lange zu bauen! Das wäre doch eine echte Verbesserung! Vielleicht können wir in diesem Punkt doch etwas von den kleinen Schraubenfliegern lernen?
gb

 
   
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