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Wie ich Interesse an Bumerangs bekam

Von Herb A. Smith

Fragst Du jemand, wie er zum Bumerangwerfen gekommen ist, wirst Du die unterschiedlichsten Antworten erhalten.

Mein eigenes Interesse an diesem höchst ungewöhnlichen und faszinierenden Sport reicht zurück in das Jahr 1938, als ich, gerade 9 Jahre alt, in einer kleinen Dorfschule in Kent im Erdkunde-Unterricht etwas über Australien und die Ureinwohner dieses weit entfernten Landes lernte.
Ich erinnere mich deutlich, daß unser Lehrer von dem gekrümmten Holz sprach, welches die Aborigines so werfen konnten, daß es zu ihnen zurückkam. Das war pure Magie für mich!

Ich erinnere mich auch an die Abbildung eines Baumes, bei dem der Umriß eines Bumerangs auf einem Ast eingezeichnet war, in unserem Lehrbuch. Diese Unterrichtsstunde war faszinierend für mich. Ich war wohl der einzige Junge in der Klasse, der nach Hause lief und versuchte, einen gekrümmten Ast zu finden, der dem in unserem Lehrbuch ähnelte und als Bumerang dienen konnte.

In meiner Eile und Aufregung nahm ich einen kleinen Haselnuß-Bogen, der unbenutzt an einer Wand der Schmiede lehnte (mein Vater war der Dorfschmied), und den ich einige Monate vorher gemacht hatte. Die Sehne des Bogens war verrottet, aber der Bogen hatte etwas von seiner Krümmung behalten, oder wie ein Bogenschütze sagen
würde: "ist der Sehne gefolgt".

Das, so dachte ich mir, müßte doch ideal für einen Bumerang sein, egal, ob es nun genau der Abbildung im Buch entspricht. Ich packte ihn an einem Ende und warf ihn durch den Garten. Er landete im Kohlfeld. Ich holte ihn zurück und warf in wieder, aber das Gleiche wiederholte sich bei jedem Wurf, anstatt zurück zu kommen, wie ich es erwartete, flog er weg und landete wieder zwischen den Kohlköpfen. Das Ding wollte einfach nicht zurückkehren!

Mit meinem jugendlichen Gemüt kam mir in den Sinn, etwas Magisches müsse an der Konstruktion eines Bumerangs sein. Vielleicht wie bei diesen verwirrenden Tricks, die ich bei einem Zauberer auf der Bühne gesehen hatte? Er ließ Dinge einfach verschwinden und wieder erscheinen, goß buntes Wasser aus einem leeren Gefäß und holte mehrere große Gegenstände aus einem schwarzen Hut. Das war Zauberei! Vielleicht waren einige der Aborigines auch Zauberer?

Ein gekrümmtes Stück Holz so zu werfen, daß es zurückkehrt, blieb für mich ein Rätsel. Trotzdem behielt ich diese Schulstunde all die Jahre in Erinnerung. (Ich wünschte, andere Stunden wären ebenso ungetrübt in meinem Gedächtnis geblieben.) Aber wie konnte ich das Geheimnis dieses "Zaubers" herausfinden?

Die Jahre vergingen, bis mein Bruder 1951 einen "richtigen" Bumerang aus Australien als Souvenir für Mutter und Vater mitbrachte. Er war aus einem Stück dunklen Hartholzes gemacht und hatte etwa die Form eines Kleiderbügels. Seine Länge betrug etwa 30 cm, und er war mit eingebrannten Känguruhs dekoriert. Ich fragte meinen Bruder, ob er ihn ausprobiert habe. "Nein", war seine Antwort. "Hast Du irgendeine Anleitung mitbekommen?" - "Nein." Ich nahm ihn also mit in den Garten und warf ihn vorsichtig. Die Erinnerungen an 1938 waren alle wieder da! Ich bekam ihn nicht richtig zum Fliegen. Er flog ca. 50 in geradeaus, stieg leicht an und stürzte ab. Natürlich im Kohlfeld, nicht auf dem kleinen Rasen!

Ich wurde schließlich ein Wettkampf-Bogenschütze und vergaß die Bumerangs, oder doch nicht? Ungefähr Ende 1969 entdeckte ich das Wort Bumerang in einem Lexikon. Als ich weiter las, war ich überrascht, die gleiche Erklärung zu finden, die mein Erdkunde-Lehrer viele Jahre zuvor gegeben hatte. Wenn ich mich recht erinnere, hieß es: "Der Bumerang ist ein dünnes, gekrümmtes Stück Holz, daß von den Australischen A borigines benutzt wird, und, wenn es in einer bestimmten Weise geworfen wird, exakt zum Ab),t",urfpunkt zurückkehrt."

Mein Interesse an Bumerangs war wiedergeboren. Ich verbrachte die nächste Zeit damit, zahlreiche Anfragen an jeden zu stellen, der mir vielleicht weiterhelfen konnte. Das waren hauptsächlich Freunde mit Beziehungen nach Australien. Ich fragte auch in meiner örtlichen Bücherei nach. Fehlanzeige! Niemand konnte helfen oder wenigstens eine mögliche Informationsquelle angeben, außer ein Bibliothekar, der vorschlug, bei einem Australischen Museum oder einer Australischen Bibliothek nachzufragen.

Als nächstes wendete ich mich an die Bibliothek des "Australia House" in London und die Bücherei des Museums in Sydney. Gleichzeitig schrieb ich an den Leiter der VölkerkundeAbteilung des Londoner Museums. Dr. Cranstone erinnerte sich daran, viele Jahre zuvor eine Sammlung von bumerangähnlichen Objekten gesehen zu haben. Das Ergebnis meiner Bemühungen waren verschiedene Kopien von Artikeln, die um die Jahrhundertwende über Jagd- und Rückkehrbumerangs geschrieben wurden.

Von Dr. Cranstone erhielt ich die freundliche Einladung, mir die verschiedenen Objekte der Ausstellung in seiner Vö1kerkunde-Abteilung persönlich anzusehen.

Unglücklicherweise wurde er kurz vor meinem Besuch zu anderen wichtigen Aufgaben abberufen. Trotzdem hatte er bereits eine Anzahl von Büchern aus der Museums-Bücherei zusammengesucht, die sich mit Bumerangs und anderen Gegenständen der Australischen Aborigines befaßten, zusammen mit Augenzeugenberichten ihrer Wurfkünste. Er stellte mir außerdem sein Büro zur Verfügung, wo ich den Tag damit verbrachte, all diese Material zu studieren und mir Notizen zu machen. Danach konnte ich mir, mit einem sachkundigeren Blick, die diversen Ausstellungs-Stücke des Museums ansehen.

Dieser Besuch brachte mir unschätzbare Fortschritte. Ich kehrte überglücklich zurück nach Hause und konnte es nicht abwarten, meinen ersten Bumerang zu bauen. Dieser war am nächsten Tag fertig, über den Daumen nach den Vorlagen im Museum gebaut. Es war ein Monster mit 60 cm Spannweite, aus 9 mm Sperrholz hergestellt. Am Ellbogen war er 7,5 cm breit und wog 230 g. Das Profil war symmetrisch konvex und die Form "Traditional".

Bis zu dieser Zeit hatte ich ebenfalls die Kopie einer einfachen Wurfanleitungen vom Sydneyer Museum bekommen (Autor unbekannt). Bewaffnet mit diesem Material eilte ich zu unserem örtlichen Sportplatz, um meinen Monster-Bumerang zu werfen. Sorgfältig die Wurfanleitung beachtend, stand ich entzückt und ungläubig, als der Bumerang etwa 30 in wegflog, aufstieg, nach links eindrehte und nur wenige Meter über meinem Kopf schwebend zurückkehrte. Ich war begeistert! Nach all diesen Jahren hatte ich endlich einen Bumerang gebaut und das Geheimnis der "Magischen" Rückkehr entdeckt. Ich warf dann noch mehrere Stunden und verließ den Platz nur widerwillig, als es zu dunkel wurde.

Seit dieser Zeit habe ich viele hundert Bumerangs gebaut, in den verschiedensten Formen und Größen und aus den verschiedensten Materialien. Ich habe außerdem unzähligen Leuten, jungen und altbn, erklärt, wie man richtig wirft. Ich gab Vorstellungen an Schulen, Vereinen und anderen Organisationen im gesamten Süden Englands, wurde in verschiedenen Fernsehsendungen vorgestellt und habe ein kleines Buch geschrieben (leider "out of print").

Wenn ich noch Zeit übrig hätte, könnte ich meine Erfahrungen mit dem Weitwurf erwähnen, aber das ist eine andere Geschichte für einen anderen Tag - vielleicht?


 
   
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