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Wie man hölzerne Bumerangs tunt und warum man das tut

(Mit frdl. Genehmigung aus "Many Happy Returns" Nr. 61, S.12/13)

Von Rusty Harding


Für diesen Beitrag setze ich voraus, daß alle Tuning-Maßnahmen durch das Abnehmen von Material, nicht jedoch durch Biegen oder Verdrehen erfolgen; dadurch bleiben die erfolgten Veränderungen dauerhaft.

Zur Einführung: Ein korrekt geworfener Bumerang sollte die Hand mit gerade der Vorwärtsenergie verlassen, die nötig ist, um eine vollständige Rückkehr zum Werfer zu erreichen. Er sollte genügend Spin haben, um ausreichenden Auftrieb zu entwickeln (10 Umdrehungen/Sekunde). Während des Flugkreises (360) soll er sich bis zu 90 flachlegen, so daß er waagerecht rotierend zurückkehrt. Für die folgenden Ausführungen sollte man diese Flugbeschreibung im Hinterkopf behalten.

Ein zu kräftig geworfener Bumerang wird am Werfer vorbeifliegen. Wenn er sich nicht vollständig flachgelegt hat, bevor er den Werfer erreicht (low laydown rate), wird er in einer Spirale eindrehen, bis die Vorwärts-Energie erschöpft ist. Wenn der Bumerang sich schon flachgelegt hat, bevor er den Werfer erreicht (high laydown rate), passiert er den Werfer mit einer 8- oder S-förmigen Flugbahn, je nach Höhe. Diese beiden Flugzustände treten ein, wenn die laydown rate nicht korrekt ist. Ein zu hart geworfener Bumerang mit korrekter laydown rate tendiert dazu, hinter den Werfer zu fliegen und aufzusteigen, dann von hinten zum Werfer zurückzukehren, aber wie ein Helikopterflügler horizontal rotierend. Ein korrekt geworfener Bumerang mit der erforderlichen Geschwindigkeit wird nach dem halben Kreis tauchen, wenn die laydown rate zu niedrig ist, aber er wird stark steigen, wenn sie zu hoch ist.

Korrekturen zum Flug des Bumerangs

1. Bumerang legt sich zu spät flach:

  • Auftrieb des Arms 1 durch leichten undercut erhöhen.

2. Bumerang legt sich zu früh flach:

  • Auftrieb des Arms 2 erhöhen durch undercut.

Wenn Du nur gering unterschleifst und keine Wirkung erreichst, ein wenig mehr unterschleifen. Stellt sich immer noch keine Verbesserung ein, könnten die Arme verbogen sein (konvex statt konkav). Oder du hast Probleme, weil der Ellbogen nicht neutral ist.

3. Bumerang dreht nicht ein:

  • Undercut an beiden Armen.

Dadurch wird der Flugkreis kleiner, weil die Eindrehkräfte des Bumerangs erhöht werden.

Häufig sind mir folgende Fragen gestellt worden: "Warum undercut?" - "Warum undercut nur an einem Flügel?" - "Warum an beiden Flügeln?" Ich habe früher auch diese Fragen gestellt, bevor ich die Gründe dafür herausgefunden habe.

Ein undercut ist überflüssig, wenn der Bumerang schon korrekt fliegt. Wenn schon ein undercut vorhanden ist, wird er wahrscheinlich an Arm 1 zu finden sein, um ein Tauchen zu verhindern oder die laydown rate zu korrigieren.

Zwei undercuts findet man häufig. Sie sollen die Eindrehkräfte verstärken und den Drehkreis verkleinern. Die seitliche Ausdehnung der undercuts ist ein Hinweis auf die laydown-Anforderungen. Leider setzten die oben genannten Ausführungen voraus, daß der Hersteller wußte, was er tat.

Unglücklicherweise wenden manche Hersteller undercuts an, ohne die Auswirkungen zu kennen. Sie verwenden undercuts, weil andere es auch tun, oder sie fügen sie solange hinzu, bis der Bumerang einwandfrei zurückkehrt.

Solche Vorbedingungen lassen Bumerangs entstehen, die zwar gut fliegen, aber keinen Raum für Abwurffehler lassen. Das Bedenklichste ist, daß Anfänger keine Möglichkeit haben, gute Bumerangs von den komplizierteren zu unterscheiden. Die meisten Hersteller können ihre Geräte gewiß gut werfen. Aber seine Qualität erweist ein Bumerang erst dann, wenn viele - auch unerfahrene - Werfer ihn gut werfen können. Ein guter Anfängerbumerang sollte ein großes "Wurffenster" haben, d. h., er sollte kleine Abwurffehler vergeben, also dennoch nach korrektem Flug zum Werfer zurückkehren, im Gegensatz zu den Geräten mit kleinem, engen "Wurffenster", die Abwurffehler kaum oder gar nicht verzeihen.

Einwandfrei fliegende Bumerangs sind leicht herzustellen. Aber man muß auch bedenken: Es gibt keine zwei total gleichen Bumerangs. Auch Kopien gleichen nicht exakt dem Vorbild. Jeder Bumerang hat seine Eigenart und deshalb auch seine eigenen Anforderungen an das Tuning. Deshalb sind Einfliegen und Tuning für jeden einzelnen Bumerang nötig, wenn er ein wirklich korrekt zurückkehrender Bumerang werden soll.

Vielleicht hilft dieser Beitrag ja auch, aus deiner Sammlung die poorly flying Bumerangs in korrekte Flieger zu verwandeln. Wenn Du aber für Dich selbst baust, stimme sie auf deinen persönlichen Wurfstil ab.

Übersetzung: wb

 

Kommentar

Aus einem Leserbrief von Fred Malmberg in MHR Nr. 62

Einleitend erinnert Fred an den Ausspruch, der etwa heißt: "Stelle allgemeine Regeln über Bumerangumrisse oder Flugwege auf, und ich führe dir Bumerangs vor, welche dieser Regel widersprechen". (Ich meine, er ist von Rusty selbst.) Und nun geht das Widersprechen auch schon los:

1. Nicht alle Bumerangs. legen sich bis 90 flach; die meisten Long Distance Bumerangs kommen da nur auf 15. Und einer meiner Fast Catcher legt sich auch nur 15 - 20 flach. Wenn du ihn nicht fängst, fliegt er einen zweiten Kreis direkt über dem ersten. Also muß man Rustys Feststellung, ein B. mit geringem layover würde nach innen eindrehen, weil die Vorwärtsgeschwindigkeit abnimmt, in Frage stellen.

2. Ich kann auch das Herumprobieren mit dem undercut nicht empfehlen. Ich erreiche mehr mit einfachem Auf- oder abwärtsbiegen bzw. Verdrehen der Flügel unter Zuhilfenahme eines Mikrowellenherdes:

  • Erst 15 Sek auf "stark" stellen. Dann mit Handschuhen geschützt 30 Sek. biegen.
  • Die neue Position ist stabilisiert.

Ein undercut verändert nämlich mehrere Faktoren gleichzeitig:

  1. ändert er den Einstellwinkel des betr. Flügels,
  2. ändert er die V-Form und
  3. nimmt er dort Gewicht weg, wo Gewichtsveränderungen den Flug stark beeinflussen.

Ich verändere lieber nur einen Faktor; so kann ich nicht erwünschte Veränderungen vermeiden. Zum Biegen halte ich den Bumerang horizontal, Flügeloberseite nach oben, Ellbogen von mir abgewandt. Nun stelle ich mir den Bumerangflug mit der Form des Bumerangs. selbst vor. Auf diese Weise stellt der B. seinen eigenen Flugweg dar: Arm 1 zeigt von dir weg, du drehst um den Ellbogen, Arm 1 kommt auf dich zu, wie es Arm 2 getan hat.

Nun kann man Korrekturen direkt auf den B. übertragen. Wenn er z.B. im ersten Teil des Fluges zu niedrig geflogen ist, biegst du den Flügel an der Stelle nach oben, die dem kritischen Bereich seines Fluges, irgendwo außerhalb des Arms 1 liegend, entspricht. Wenn er am Ende des Fluges niedriger fliegen soll, gehst du in Gedanken um die Flügel herum, am Ellbogen vorbei und zurück auf dich zu, um den symbolischen Flug zu beenden, und biegst das Ende von Arm 2 nach unten.

Im allgemeinen aber werden Anfänger den Einstellwinkel an Holzbumerangs nicht verändern. Sie biegen lediglich die Vorderkante auf - oder abwärts, bezogen auf die jeweilige Hinterkante. Diese Vergrößerung des Einstellwinkels macht den Flugkreis kleiner und den Abschluß des Fluges langsamer.

Eine andere Möglichkeit, den B. am Ende des Fluges niedrig zu halten, ist das Anbringen von Gewichten; besser nicht in der Nähe der Flügelenden oder des Ellbogens. Jedoch bleibt dadurch der B. am Enden des Fluges schnell.

Und was ist ein "nicht neutraler Ellbogen"? Ich definiere den Ellbogen als neutral. Denn beim Bau spanne ich ihn auf ebener Fläche ein und forme ihn vom Ellbogen aus zu Ende. So konnte ich alle meine Bumerangs. wirksam tunen.

Übersetzung: wb


 
   

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