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Robert Lawlor

Am Anfang war der Traum

München, 1993, 450S. (Droemer Knaur)

In 3/1995 hatten wir Marlo Morgans Traumfänger besprochen. Damals war für mich offen geblieben, ob die Autorin einem Stamm mit besonders exklusiver Lebensgrundhaltung begegnet war, oder ob die von der Autorin erlebte innere Welt die eher normale Grundhaltung der noch in Stämmen lebenden Aborigines darstellt.

Nun ist soeben eine Kulturgeschichte der Aborigines erschienen, in der ich diese Frage nachprüfen konnte. Der Umgang der Aborigines mit der Schöpfung, ihr Verhalten in dem vorgegebenen Lebensraum und ihr Miteinander unterscheidet sich grundlegend von der Art und Weise, wie die bestimmenden westlichen Industrienationen dies praktizieren und bewerten.

Natürlich vermag ich nicht, ein solches Werk zu besprechen, zumal ich zu dem zentralen Thema Traum als Mythos von der Entstehung allen Lebens bisher keinen Zugang gefunden habe; dennoch möchte ich interessierten Lesern ein kleinen Einblick geben, um sie neugierig zu machen; man kann ja einzelne Abschnitte auswählen. Schon dann beginnt man eine vollkommen eigenständige Weltsicht zu erkennen, die primitiv zu nennen sich im Grunde gegen den wendet, der ein solches Urteil fällt.

Der Autor hat zehn Jahre auf einer Insel vor der Küste Tasmaniens gelebt, die bei den Aborigines als heiliger Wohnsitz ihrer verstorbenen Ahnen gilt. In einem kurzen Rückblick auf die Menschheitsgeschichte behandelt er vor allem Darwins Evolutionstheorie, die als Sozialdarwinismus in den vergangenen 150 Jahren so verheerende Folgen gehabt hat.

Zu der allgemeinen Lebenssituation stellt er fest: Damals lebten 10 Mio. Menschen, heute 6 Mia. Die Traumzeit habe sich in einen gigantischen Alptraum verwandelt, die Zivilisation sei in ihrer eigenen Zerstörung gefangen. Es verstehe sich von selbst, daß eine Nachahmung der australischen Kultur, die er für die tiefste kollektive Erinnerung der Menschheit hält, heute nicht nachgeahmt werden kann.

Trotzdem aber könnten wir erkennbare andere Sichtweisen kennenlernen; denn das physische Dasein der Aborigines schlösse alle Ebenen der menschlichen Erfahrungen ein und gebe sie seinerseits wieder. Zwei Zitate sollen einen genaueren Eindruck vermitteln, um was es in diesem Buch geht:

Traum:

...Allein schon die Tatsache, daß die Aborigines das Wort Traum verwenden, um den Grundsatz ihrer Kosmologie zu beschreiben, ist bedeutend. Den Aborigines gilt damit als höchste oder letzte Daseinsebene weder der Himmel der Christenheit, noch gelten die mathematisch perfekten Gesetze der Mechanik, weder das Idealreich der klassischen Philosophie noch die Weltraumgalaxien der Materialisten, weder die göttliche Glückseligkeit des Hinduismus noch das Nirwana des transzendenten Nihilismus, sondern eine ganz natürliche Dimension unseres normalen Schlafzustandes.

Indem die Aborigines den höchsten transzendenten Zustand als Träumen bezeichnen, erkennen sie, daß diese andere Welt eine innere, notwendige Seite der greifbaren Welt ist, genau wie Schlaf und Träume eine notwendige Seite des Wachseins sind... (S. 286)

Erblicken, nicht besitzen

...Kein Teil der Erde oder ihrer Lebewesen gehört irgend jemanden, niemand besitzt sie, und die Sprachen der Aborigines kennen keine Wörter und Regeln für Besitztum. Die Aborigines sehen ihre Beziehung zum Land als ein Erblicken: sie beachten ein Gewebe von gemeinsamen Riten und Verpflichtungen, aus denen jeder Mensch Anerkennung, Selbstachtung und Identität erfährt. ... (S. 306/307)

Auch dieses Buch stellen wir unseren Lesern nach Anforderung zur Verfügung

wb


 
   
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